01. Juli 2026 – dpa
Im Mordprozess im Fall des getöteten achtjährigen Fabian waren am 16. Verhandlungstag gleich acht Zeugen geladen. Sie sagten zur Angeklagten und auch zu Fabians Vater aus, der selbst im Saal saß.
Der Vater des getöteten achtjährigen Fabian hat nach Aussagen eines langjährigen Freundes anfangs auch einen Tatverdacht gegen die Angeklagte geäußert. Das habe er ihm klipp und klar am 14. Oktober 2025 gesagt, sagte der 38-Jährige am Landgericht Rostock. An dem Tag wurde Fabians Leichnam bei einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt. Fabians Vater war jahrelang mit der Angeklagten liiert. Nach einer vorübergehenden Trennung ist er nach eigenen Angaben wieder mit ihr zusammen.
Anfang des Jahres habe Fabians Vater ihm dann gesagt, dass er nun davon ausgehe, dass die 30 Jahre alte Angeklagte nichts mit der Tat zu tun habe und dies auch ohne einen Beweis ihrer Schuld nicht glaube. Der Vater selbst, der am Mittwoch auch im Gerichtssaal 2.002 saß und den Prozess verfolgte, hatte entsprechende Aussagen des Freundes gegenüber der Polizei bei seiner Vernehmung am zweiten und dritten Prozesstag dagegen zurückgewiesen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Die Frau schweigt bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidiger im August äußern. Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil, der bis zum 10. September terminiert ist.
Fabians Vater versorgt derzeit täglich die fünf Pferde - ein Reitpferd und vier Ponys unterschiedlicher Größe - der Angeklagten. Die Pferde seien ihr alle sehr wichtig gewesen, sagte eine Tierärztin, die ebenfalls als Zeugin vernommen wurde. Sie habe sich gut um die Tiere gekümmert, aber auch nicht wegen jeder Kleinigkeit den Tierarzt gerufen. Von 2021 bis heute seien Rechnungen in Höhe von insgesamt 8.000 Euro angefallen, die alle zügig bezahlt worden seien.
Die Kommunikation zwischen der Angeklagten und der Tierärztin lief fast ausschließlich über WhatsApp. Wenige Tage nach dem Auffinden von Fabians Leiche schickte die Angeklagte ihr eine Sprachnachricht. Darin ging es zwar um den Gesundheitszustand eines Pferdes. Sie sagte dabei aber auch, dass sie nichts mit der Tat zu tun habe. Sie habe ihn, Fabian, einfach nur gefunden.
Die Angeklagte hatte den Leichnam des Kindes nach eigener Aussage am 14. Oktober zufällig beim Spaziergang mit dem Hund gefunden und die Polizei alarmiert. Nach Aussagen von Zeugen war sie aber bereits am 13. Oktober zweimal mit je einem Bekannten am Fundort gewesen.
Die Angeklagte gab im Januar im Gespräch mit einer Gerichtshelferin freiwillig Auskunft über ihre Biografie, ihr soziales Umfeld und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse. In dem etwa halbstündigen Gespräch habe die heute 30-Jährige teils «emotional wie abgeschnitten» auf sie gewirkt, sagte die Gerichtshelferin als Zeugin.
Auf die Frage, ob sie wisse, was ihr vorgeworfen werde, habe die Angeklagte damals geantwortet, sie solle etwas getan haben, was sie nicht getan habe. Die Zeugin berichtete aus dem Gespräch auch über eine sehr innige Beziehung der Angeklagten zu ihren Pferden. Sie habe sehr besorgt und authentisch gewirkt. «Der Kontakt zu den Tieren war intensiver als zu Menschen.»
Ein weiterer Zeuge war ein früherer Arbeitgeber der Angeklagten, bei dem sie von April bis Juni vorigen Jahres drei Monate lang in einem Reitsportgeschäft gearbeitet hatte. Das Teilzeit-Beschäftigungsverhältnis sei beendet worden, nachdem Mitarbeiter die Angeklagte in flagranti beim Diebstahl erwischt hätten, berichtete der Unternehmer. Die 30-Jährige bezieht wegen psychischer Erkrankung eine Erwerbsunfähigkeitsrente.
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann sollen fünf Bekannte und Nachbarn der Angeklagten als Zeugen gehört werden.