13. September 2026 – dpa

In der Innenstadt

25.000 demonstrieren in Hamburg gegen Rechtsextremismus

Bischöfin Fehrs, Axel Bosse und viele Organisationen setzen zusammen mit Tausenden Demonstranten in Hamburg ein Zeichen gegen Rechts. Warum ein Politikwissenschaftler ein AfD-Verbot kritisch sieht.

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Die Veranstalter sprechen von 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Demonstration gegen Rechtsextremismus.

Tausende Menschen sind in Hamburg erneut gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Unter dem Motto «Zeit zum Handeln - Freiheit muss verteidigt werden» zogen nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern rund 25.000 Demonstranten durch die Innenstadt, um gegen Rechtsextremismus und eine Normalisierung rechtsextremer Parteien zu protestieren. Der Hamburger Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp warnte derweil vor einem AfD-Verbot.

Als Rednerinnen traten unter anderem die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, Hamburgs DGB-Chefin Tanja Chawla und die stellvertretende Schura-Vorsitzende Özlem Nas auf. Ebenfalls auf der Bühne: der Sänger Axel Bosse. Er spielte gemeinsam mit dem Hamburger Kneipenchor live am Jungfernstieg in der Hamburger Innenstadt.

Veranstalter und Partner waren das Bündnis «Zusammen gegen Rechts Hamburg», die Initiative «Prüf», die Klimabewegung Fridays for Future Hamburg und zahlreiche weitere Organisationen. Das Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent sei zwar keine Überraschung gewesen, hieß es im Demonstrationsaufruf. Die internationalen Reaktionen zeigten jedoch, welche Rolle diese Wahl im Kontext der weltweit erstarkenden Rechten spiele.

Die bundesweite Initiative «Prüf» um den Satiriker und früheren EU-Abgeordneten Nico Semsrott ruft seit Monaten jeden zweiten Samstag im Monat um 14.00 Uhr zu einer Demonstration auf. Ihr Ziel: «Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.» «Prüf» steht für «Prüfung rettet übrigens Freiheit».

Der Hamburger Politikwissenschaftler Schnapp hält ein AfD-Verbotsverfahren für grundfalsch. Es «wäre aus meiner Sicht ein großer Fehler», sagte der Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg dem «Hamburger Abendblatt». In einer Demokratie sei es nicht zu legitimieren, bundesweit mehr als einem Viertel der Wählerinnen und Wähler die von ihnen präferierte Wahlmöglichkeit wegzunehmen und sie so aus dem demokratischen Diskurs auszuschließen.

«Und ein Verbot schafft das rechte und teilweise extremistische Denken bei den Leuten ja auch überhaupt nicht ab. Es wird nur für eine Weile unsichtbarer», sagte der Professor der Uni Hamburg. Aus seiner Sicht wäre es besser, die AfD einfach links liegenzulassen. «Wenn man mich fragt, würde ich den anderen Parteien raten: Redet nicht die ganze Zeit über die Themen der AfD und wenig über die Partei.»

Auch von Diskussionen um die Brandmauer hält Schnapp nichts. «Wenn ihr euch abgrenzen wollt, dann grenzt auch in euren politischen Inhalten ab», sagte er. Man müsse nicht mit der Partei zusammenarbeiten, gar mit ihr koalieren. «Aber das dauernde Gerede von der Brandmauer schließt Leute aus, es schubst Leute, die sich der AfD verbunden fühlen, immer tiefer in eine grundlegende Systemopposition. Das sollte nicht das Ziel sein.»

Nach dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung eines möglichen Verbotsverfahrens angeregt. Zahlreiche Politiker wie der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), oder Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit unterstützen den Vorstoß, viele andere sind aber skeptisch.

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