26. Juli 2026 – dpa

Angriff auf Berliner CSD

Anschlag in Berlin überschattet Hamburger CSD

Mit Trauerflor und klaren Worten setzt Hamburg ein Zeichen der Solidarität nach der Attacke beim Berliner CSD. Bürgermeister Tschentscher verspricht Schutz bei der Hamburger CSD-Parade.

3nuhhx4n4t-v7-ax-s2048.jpeg
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD wird über die Sicherheit bei der Hamburger Parade diskutiert. (Archivbild)

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff auf feiernde Menschen beim Christopher Street Day in Berlin soll die Sicherheit auch bei den Feiern der queeren Community in Hamburg noch einmal überprüft werden. «Der Anschlag in Berlin überschattet auch den Beginn der Pride Week in Hamburg», sagte Bürgermeister Peter Tschentscher der Nachrichtenagentur dpa.

«Die Hamburger Sicherheitsbehörden tun alles, um die CSD-Demonstration und die Veranstaltungen der Pride-Week in unserer Stadt zu schützen, damit von Hamburg auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen der Toleranz und Vielfalt ausgehen kann», versprach er.

Zu der Hamburger CSD-Parade werden am kommenden Samstag Hunderttausende Menschen erwartet. Die Pride Week hatte an diesem Wochenende begonnen.

Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen an. Zwar sei das Sicherheitsniveau bei Veranstaltungen in Hamburg hoch - «gerade was den Schutz vor Überfahrtaten angeht», sagte er. Aber: «Vor dem Hintergrund der schrecklichen Tat in Berlin werden die Sicherheitsmaßnahmen für den CSD kommende Woche in Hamburg noch einmal sorgfältig überprüft, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten.»

Ihre Behörde stehe im engen Austausch mit der Innenbehörde, der Polizei und der queeren Community, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, sagte Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). «Wir werden alles dafür tun, dass die Teilnehmenden so frei, selbstbestimmt und sicher wie jedes Jahr demonstrieren können.»

In Berlin war am späten Samstagabend eine Frau getötet worden, als am Rande der CSD-Feiern ein Auto in eine Menschengruppe gesteuert wurde. 29 Menschen wurden nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) teils schwer verletzt. Dobrindt sprach am Sonntag von einem islamistischen Terroranschlag.

Die Veranstalter der Hamburger Pride Week riefen nach dem tödlichen Angriff zu einer Demonstration in der Hamburger Innenstadt auf. «Wir sind in Gedanken bei der Berliner Community», hieß es in dem bei Instagram verbreiteten Aufruf. Zu der Demonstration kamen rund 800 Menschen am Nachmittag zusammen, wie das Polizeilagezentrum mitteilte.

Zu der Hamburger CSD-Parade sei man nach der Bluttat von Berlin im Austausch mit Polizei, sagte Manuel Opitz, Sprecher von Hamburg Pride. Einzelheiten nannte er nicht. «Wichtig ist, dass wir uns nicht unsichtbar machen lassen von Gewalt. Das was wir jetzt brauchen, ist der Rückhalt aus der Stadtgesellschaft», betonte er. «Deswegen rufen wir alle Hamburgerinnen und Hamburger auf, sich am CSD zu beteiligen.»

Die Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank zeigte sich von dem tödlichen Angriff in Berlin zutiefst betroffen. Sei sei «traurig und wütend», sagte die Umweltministerin. «Meine Gedanken und mein ganzes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei der verstorbenen Person, den vielen Verletzten, ihren Angehörigen und der gesamten Community.»

Dass ausgerechnet ein Fest der Liebe und Vielfalt Ziel eines mutmaßlich islamistischen Anschlags geworden sei, mache einmal mehr deutlich, «dass queere Menschen auch heute noch Angst haben müssen - einzig und allein deshalb, weil sie queer sind», sagte die Grünen-Politikerin. «Das ist unerträglich.»

Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft verwiesen darauf, dass Straftaten und Gewalttaten gegen queere Menschen seit Jahren zunähmen. «Hass wirkt zersetzend - ganz egal, von wo er kommt», sagte die queerpolitische Sprecherin der Fraktion, Carola Ensslen. «Dieser Hass darf uns aber nicht auseinanderbringen: Wir stehen gemeinsam gegen die Angriffe aller Feinde einer freien Gesellschaft.»

Auch sie sprach sie dafür aus, die vor dem Hamburger CSD noch einmal ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit zu legen. «Schon viel zu lange leben queere Menschen wieder in Angst, werden verfolgt und bedroht», sagte Ensslen.

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Bürgerschaftsfraktion, Dirk Nockemann, teilte mit, der Anschlag erschüttere zutiefst. Er sprach sich für eine «harte Wende» in der Sicherheits- und Migrationspolitik aus. «Gefährder aus dem Verkehr ziehen, islamistische Netzwerke zerschlagen, abschieben, wo immer es rechtlich möglich ist - Schluss mit naiver Deradikalisierungsromantik», sagte Nockemann.

Weitere Nachrichten aus Hamburg & Schleswig-Holstein

Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

undefined
Audiothek