17. Oktober 2026 – dpa

Kampf gegen Vermüllung

Ernst-Thälmann-Platz braucht tägliche Säuberung

Vor rund 100 Jahren wurde in der Kommunistischen Partei unter Ernst Thälmann viel «gesäubert». Jetzt erfordert illegaler Müll vor seinem ehemaligen Wohnhaus in Hamburg eine tägliche Säuberung.

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Die Hamburger Stadtreinigung fährt den Ernst-Thälmann-Platz täglich an, um herumliegenden Müll zu beseitigen.

Einst waren Säuberungen in der Kommunistischen Partei unter Ernst Thälmann nichts Ungewöhnliches - jetzt braucht der nach ihm benannte Platz in Hamburg-Eppendorf fast täglich eine Reinigungsaktion. Sie richtet sich allerdings nicht gegen politische Abweichler, sondern gegen illegalen Abfall. Die Stadtreinigung muss große Mengen an Sperrmüll, Schrottfahrrädern, Papier und Hausmüll beseitigen, wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion mitteilt.

Im laufenden Jahr sei im Bereich des Platzes, an dem Thälmann von 1929 bis 1933 mit seiner Familie wohnte, bereits 79 Mal Sperrmüll abgefahren worden. Im gesamten vergangenen Jahr waren 33 derartige Einsätze nötig. Insgesamt 175 Einsätze wegen Verschmutzungen zählte die Stadtreinigung im laufenden Jahr, nach 93 im Vorjahr. Seit Anfang 2026 fahren die Mitarbeiter den Platz täglich an, um illegalen Müll einzusammeln.

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung seien die großen Baustellen in dem Bereich, sagt der Sprecher der Stadtreinigung, Kay Goetze. Es gebe Baustellengitter, hinter denen sich Abfall sammle. «Müll gesellt sich schnell zueinander», sagt Goetze. Die Bushaltestellen seien verlegt, aber nicht jeder Fahrgast werfe seinen To-Go-Becher in einen Abfalleimer. Außerdem werde Müll vor die Depotcontainer für Papier, Glas und Altkleider geworfen. Der Platz sei einer der Hamburger Hotspots. Auch «randständige Menschen» hielten sich dort auf.

Wer seinen Abfall auf dem Platz an der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte ablädt, ist unklar. Die Polizei konnte bislang niemanden ermitteln. Nur die Spuren nächtlicher Gelage wie Reste eines offenen Feuers, Flaschen, Glasscherben und Zigarettenreste fielen den Beamten auf. Wie viele Bußgelder für illegale Müllablagerung verhängt wurden, können Stadtreinigung und Senat nicht sagen. Auch zu den Kosten der «Sonderreinigungen» können demnach keine Angaben gemacht werden.

Hamburgweit nahm die Stadtreinigung im vergangenen Jahr mehr als 670.000 Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern ein. «Wer seinen Müll einfach in den öffentlichen Raum kippt, handelt unsolidarisch und muss mit spürbaren Konsequenzen rechnen», erklärte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) Anfang des Monats. Inzwischen habe sich die Lage am Ernst-Thälmann-Platz verbessert, teilte eine Sprecherin des Bezirksamts Nord mit.

Thälmann wurde 1886 in Hamburg geboren und 1944 auf Befehl Hitlers im KZ Buchenwald erschossen. Der Kommunistenführer und Bürgerschaftsabgeordnete hatte 1923 einen Aufstand gegen die Weimarer Republik mitorganisiert, bei dem in Hamburg nach Angaben der Stiftung Historische Museen rund 100 Menschen starben, in der Mehrzahl Unbeteiligte. Thälmann wurde dafür nicht belangt, sondern blieb bis zu seiner Verhaftung 1933 Bürgerschaftsabgeordneter und wurde 1924 auch in den Reichstag gewählt.

Mit Unterstützung aus Moskau brachte er die KPD auf stalinistischen Kurs und sorgte für die Entmachtung von Abweichlern. Gemäß der sogenannten Sozialfaschismusthese waren für ihn Sozialdemokraten der Hauptfeind. Zwei Stolpersteine, vor dem ehemaligen Wohnhaus und vor dem Rathaus, erinnern an den ehemaligen KPD-Chef.

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