26. September 2026 – dpa

Kiel statt Rostock

Hoffen auf Olympia: Kiel ist deutscher Segel-Kandidat

Sollte München tatsächlich Olympische Spiele bekommen, würden die Segel-Wettbewerbe weit entfernt an der Ostsee stattfinden. Jetzt ist auch bekannt, an welchem Küstenort.

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Sollte München die Olympischen Spiele bekommen, dann würde in Kiel gesegelt. (Archivbild)

Der deutsche Sport bewirbt sich mit München als Kandidat und mit Kiel als Segel-Standort um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Diese Entscheidung gab der Deutsche Olympische Sportbund nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden bekannt.

«Diese Entscheidung ist fantastisch. Was für ein großartiger Erfolg und Vertrauensbeweis», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der in Baden-Baden vor Ort war: «Wenn die deutsche Bewerbung erfolgreich ist, werden auf der Kieler Förde wieder olympische und hoffentlich auch erstmals paralympische Segelwettbewerbe ausgetragen. Mit Kiel ist der Standort gewählt, an dem der Segelsport in Deutschland zu Hause ist.»

Die Region Köln-Rhein-Ruhr und ihr Segel-Standort Rostock-Warnemünde hatten in dieser Ausscheidung das Nachsehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Chef Thomas Weikert verkündeten das Ergebnis. Kiel darf sich damit Hoffnungen machen, zum dritten Mal nach 1936 und 1972 der Austragung olympischer Segelregatten zu werden.

Mecklenburg-Vorpommern und Rostock-Warnemünde zeigten sich als sportliche Verlierer. «Ich gratuliere München und Kiel herzlich zur Auswahl als deutsches Olympia-Team und wünsche beiden für das weitere internationale Verfahren viel Erfolg. München und Kiel haben mit ihrer Verbindung von olympischer Tradition, internationaler Sporterfahrung und einem starken Segelstandort ein überzeugendes Konzept vorgelegt», sagte Sportministerin Stefanie Drese, die gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (beide SPD) und einer Delegation aus Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls an der Auswahlveranstaltung im Kurhaus in Baden-Baden teilnahm.

«Natürlich hätten wir uns heute eine andere Entscheidung gewünscht. Wir waren und sind davon überzeugt, dass Warnemünde hervorragende Voraussetzungen für olympische Segelwettbewerbe bietet», sagte Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke): «Aber eine Bewerbung bedeutet immer auch, eine Entscheidung zu akzeptieren. Deshalb gratuliere ich München und Kiel und wünsche der deutschen Bewerbung für den weiteren internationalen Prozess viel Erfolg.»

Im April hatten sich in Kiel in einem Bürgerentscheid 63,5 Prozent für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. 1972 hatten die Segelregatten der Münchner Spiele ebenfalls in dem weltbekannten und erprobten Revier vor Kiel-Schilksee in Schleswig-Holstein stattgefunden. Auch bei den Spielen 1936 in Berlin wurden die Segelwettbewerbe in Kiel ausgetragen.

Die Regatten der Kieler Woche jeweils Ende Juni gelten im olympischen Segelsport als bedeutende Wettbewerbe. Auch ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbandes ist in Kiel.

Die größten Regionalverbände im Deutschen Segler-Verband (DSV) hatten sich im Vorfeld der Entscheidung ebenfalls für Kiel ausgesprochen, darunter sogar der Segler-Verband Nordrhein-Westfalen, obwohl die Olympia-Bewerbung des Bundeslandes sich auf den Rostock-Warnemünde festgelegt hatte. Diese Regionalverbände würden zusammen «75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler repräsentieren», sagte Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke.

Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) sagte: «Das ist ein großartiger Tag für Kiel und für ganz Deutschland! Wir haben in den vergangenen Jahren mit großer Leidenschaft und viel Engagement für Olympia in Kiel gekämpft - und jetzt ist der Traum Wirklichkeit geworden.»

Kritik an der Vergabe gab es dagegen von den Linken: «In einer Stadt, in der die Mieten explodieren und durch eine rigide Spar- und Kürzungspolitik Schulen, Sporthallen und die soziale Infrastruktur verfallen, darf ein Prestigeprojekt wie
Olympia nicht stattfinden», sagte Johanna Klitzschmüller, Kieler Linken-Kreissprecherin und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl: «Die Politik hat die konkreten Nöte der Menschen, allen voran explodierende Wohn- und Lebenshaltungskosten, zu lösen und die Sparpolitik, die den sozialen Zusammenhalt in der Stadt zerstört, zu beenden.»

Stimmberechtigt waren die 42 olympischen Spitzenverbände mit jeweils drei Stimmen, acht persönliche Mitglieder sowie die zehn Präsidiumsmitglieder des DOSB. Die Spitzenverbände dürfen ihre drei Stimmen allerdings nur im Block vergeben. Die Gesamtstimmenanzahl beträgt damit zwar 144, allerdings fehlten in dem derzeit verletzten Fußballstar Leon Goretzka, der früheren Monski-Fahrerin Anna Schaffelhuber und der Kanupolo-Spielerin Elena Gilles mindestens drei persönliche DOSB-Mitglieder bei der geheimen Abstimmung.

Aus dem ursprünglichen Vierkampf war nach der Ablehnung beim Bürgerreferendum in Hamburg Ende Mai und dem Rückzug Berlins zwei Tage vor dem Votum ein Duell geworden.

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