22. September 2026 – dpa

Klimaforschung

Klimaforscher Latif neuer Ehrenbürger Schleswig-Holsteins

Erstmals wird ein Wissenschaftler Ehrenbürger: Wie Mojib Latif mit seinen Warnungen vor Klimawandel Schleswig-Holstein prägt – und warum Ministerpräsident Günther ihn besonders ehrt.

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Klimaforscher Mojib Latif ist neuer Ehrenbürger von Schleswig-Holstein.

Der Meteorologe, Ozeanograph, Klimaforscher und Hochschullehrer Mojib Latif ist neuer Ehrenbürger Schleswig-Holsteins. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ernannte den 71-Jährigen zum insgesamt neunten Ehrenbürger des nördlichsten Bundeslandes. «Sie sind einer der renommiertesten und bedeutendsten Klimaforscher unserer Zeit», sagte Günther. Latif wurde in einer Feierstunde im Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung als erster Wissenschaftler zum Ehrenbürger des Landes ernannt.

Nach Jahren in der Hansestadt arbeitete der vielfach ausgezeichnete Professor seit 2003 am Geomar und dessen Vorläuferinstituten in Kiel. Nach seinem Ruhestand im Jahr 2020 wurde er Seniorprofessor der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Zudem ist Latif Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.

Latif sei ein brillanter Forscher und unverbesserlicher Optimist, sagte Günther. «Seit Jahrzehnten warnen Sie eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung.» Schleswig-Holstein sei stolz darauf, den international hoch angesehenen Wissenschaftler als Botschafter des Landes zu haben. Auch außerhalb der Forschung leiste Latif seit Jahrzehnten Außergewöhnliches und mache wissenschaftliche Erkenntnisse für eine breite Öffentlichkeit verständlich.

«Sie erinnern uns immer wieder daran, dass der Kampf gegen den Klimawandel eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit ist und wir dabei nicht nachlassen dürfen», sagte der Ministerpräsident. Zugleich mache Latif Mut, spreche in Schulen und sei als Mahner und Ratgeber weiter in den Medien präsent. Mit seiner ruhigen, norddeutschen Art und seiner Gabe, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären, erreiche er viele Menschen. «Sie haben sich große Verdienste um unser Land erworben und Beeindruckendes geleistet.»

Latif selbst sagte, «ich fühle mich natürlich geehrt». Viele Menschen wüssten nicht mehr zu schätzen, «in welch tollem Land wir eigentlich leben». Er hoffe, dass Schleswig-Holstein ein Vorbild setzen könne, wenn die Extremisten bei der Landtagswahl im April nicht ins Parlament einzögen.

Klimawandel sei sein Herzensthema, sagte Latif. Die Zahlen zeigten jedoch, dass die Menschen auf dem falschen Weg seien. «Ich bin eigentlich jemand, der die Hoffnung nicht aufgeben möchte.» Das Unmögliche könne passieren, daran gelte es zu arbeiten. Er habe weiter Hoffnung auf eine globale Energiewende.

Vor seinem Wechsel von Hamburg nach Kiel sei er nur Klimaforscher gewesen. In Kiel habe er die Wichtigkeit der Ozeane verstanden, sagte Latif. Er sei zutiefst dankbar für diese Würdigung, schrieb der Ehrenbürger in das Gästebuch der Landesregierung.

Der frühere Geomar-Direktor Peter Herzig sagte, Latif sei diszipliniert und beharrlich - und vereine beeindruckende fachliche Kompetenz mit großer Bescheidenheit. Trotz seiner vielen Preise habe er nie viel Aufhebens um sich gemacht. Einen Promibonus habe er für sich nie beansprucht und sei weder Fanatiker noch Missionar.

Die Ehrenbürgerschaft ist die ranghöchste Auszeichnung Schleswig-Holsteins. Vor Latif hat das Land acht weitere Ehrenbürger ernannt. Der erste von ihnen war 1998 der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Danach folgten der frühere FDP-Politiker Uwe Ronneburger, der Historiker und CDU-Politiker Gerhard Stoltenberg, der Schriftsteller Siegfried Lenz («Deutschstunde»), der Schauspieler, Maler und Schriftsteller Armin Mueller-Stahl, die frühere Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD), der Unternehmer Günter Fielmann sowie die Schwimmerin und mehrfache Paralympicssiegerin Kirsten Bruhn.

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