17. September 2026 – dpa

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Landtag berät über Wohnraum für Azubis

Ein Auszubildendenwerk soll bezahlbaren Wohnraum und Beratung in Schleswig-Holstein bieten – doch Kammern und Opposition äußern Zweifel am geplanten Gesetz.

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«Auszubildende brauchen der Nähe ihres Ausbildungsbetriebes bezahlbaren Wohnraum», sagte der CDU-Fraktionschef Tobias Koch. (Archivbild)

Schleswig-Holstein will ein staatliches Auszubildendenwerk einrichten, dass wie ein Studentenwerk etwa Wohnheime betreibt und Beratung anbietet. Die regierenden Fraktionen von CDU und Grünen brachten einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Landtag in Kiel ein.

«Die berufliche und akademische Bildung sind gleichwertige Bildungswege, die unter verschiedenen Rahmenbedingungen stattfinden», sagte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) bei der Beratung im Parlament. Es brauche für Auszubildende und Studierende vergleichbare Unterstützungsleistungen.

Studierende erhielten durch Angebote des Studentenwerkes eine relativ umfassende Unterstützung bei der Bereitstellung von Wohnraumplätzen, aber auch durch ein Beratungs- und Betreuungsangebot. «Für Auszubildende besteht diese vergleichbare Unterstützungsstruktur in Bezug auf Wohnraum in den Regionen bisher nicht», sagte Stenke. Gerade an bezahlbarem Wohnraum für Azubis fehle es im Land. Die Ministerin betonte: «Eine Berufsausbildung verdient denselben Rückhalt wie ein Studium.»

«Wo genau überall im Land Bedarf für Azubiwohnheime besteht, das ermittelt das Innenministerium bereits in diesem Jahr mit einer regionalen Bedarfsanalyse», sagte CDU-Fraktionschef Tobias Koch. Dafür sei bereits Geld im Haushalt bereitgestellt worden. Wohnheime für Auszubildende würden dann erst auf Grundlage dieser Analyse gebaut.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Lasse Petersdotter vermutet, dass diese Analyse Überraschungen mit sich bringen wird. «Denn natürlich gibt es offensichtliche Wohnprobleme in Kiel, in Lübeck und woanders», sagte der 36-Jährige. Ebenso könnte aber auch Ostholstein für Auszubildende eine große Herausforderung darstellen - aufgrund von starkem Tourismus und wenigen Arbeitsplätzen.

Bis zu sieben Millionen Euro Landesmittel jährlich will Schwarz-Grün für das Projekt in den kommenden Jahren bereitstellen. Als nächstes soll im Rahmen einer Anhörung offen über die konkrete Ausgestaltung des Azubiwerks beraten werden. Der endgültige Beschluss soll noch vor der Landtagswahl am 18. April 2027 fallen.

Der Grundgedanke orientiert sich an der Struktur des Studierendenwerks für Hochschulen, das für die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Betreuung von Studierenden zuständig ist. Erstes Ziel ist die Schaffung und Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende. Außerdem sollen Auszubildende mit Blick auf bereits bestehende Unterstützungsleistungen beraten werden, zudem sind eigene Angebote geplant wie beispielsweise eine Azubi-Starthilfe oder ein Fonds für Notlagen. Es soll auch psychologische Beratung geben.

«Wir wollen die Stärkung der Ausbildung und daher teilen wir auch die Idee eines Azubiwerks», sagte SPD-Fraktionschefin Serpil Midyatli. CDU und Grüne könnte dabei auf die Unterstützung der Sozialdemokraten setzen. Midyatli forderte aber auch eine Mindestausbildungsvergütung, denn zahlreiche Auszubildende wünschten sich am Ende eine eigene Wohnung. Aus Midyatlis Sicht kann ein Azubiwerk nur ein Teil der Antwort sein.

Die FDP hingegen sieht den Gesetzentwurf kritisch. «Was es ganz sicher nicht braucht, ist eine neue Behörde, die an den Bedürfnissen der Azubis völlig vorbeigeht», erklärte der FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. Die Koalition habe offenbar versäumt, mit denen zu sprechen, die die Lage der Azubis am besten kennen - den Handwerkskammern und der Industrie- und Handelskammer.

Vogt forderte, statt des Gesetzes mehr digitale Bildungsangebote an Schulen, ein attraktives Nahverkehrsticket, betriebliche Wohnprojekte und passende Härtefallregelungen zu fördern. Außerdem solle man den Gesetzesentwurf zurückstellen, bis die Bedarfsanalyse vorliege. Erst dann lasse sich beurteilen, ob ein Azubiwerk überhaupt nötig sei. Der Koalition warf er «Aktionismus» vor.

Der SSW stellt zudem die Frage, inwiefern das Studentenwerk als Vorbild genommen werden könne. «Wir als SSW-Fraktion sind der Meinung, dass es in der Tat ein differenziertes und dezentrales Unterstützungsangebot für Schleswig-Holstein braucht», sagte Fraktionschef Christian Dirschauer. Dabei stelle sich auch die Frage, ob eine Anstalt öffentlichen Rechts den Zweck wirklich erfülle oder ein flexibleres Stiftungsmodell nicht besser wäre, bei dem auch private Gelder einbezogen werden könnten.

Das Gesetzesentwurf von CDU und Grünen und der Änderungsantrag des SSW werden nun als nächstes im Bildungsausschuss sowie im Wirtschaftsausschuss beraten.

Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammer lehnen die Idee eines Auszubildendenwerks ab. Die Pläne gingen an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen in einem Flächenland vorbei. Die Kammern warnen vor kostspieligen Doppelstrukturen.

Bei Umfragen unter knapp 4.000 Auszubildenden aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Handwerk hätten sich 80 Prozent mit ihrer Wohnsituation zufrieden gezeigt. Demnach stünden bei Auszubildenden statt Wohnheimen die eigene Wohnung, Mobilität sowie Fahrt- und Mietkostenzuschüsse im Fokus. Deshalb fordern die Kammern, die veranschlagten Landesmittel ohne bürokratische Reibungsverluste direkt bei den Auszubildenden und in der regionalen Infrastruktur ankommen zu lassen.

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