30. August 2025 – dpa

Sommerferien-Ende

Neues Schuljahr in Hamburg – 58 Lehrerstellen unbesetzt

Kinder und Jugendliche in Hamburg strömen in der kommenden Woche zurück in die Schulen. Doch in einigen Fächern fehlen Lehrer. Wo sind die Lücken am größten?

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In Hamburg beginnt wieder der Ernst des Lebens. (Symbolbild), Foto: Bernd Thissen/dpa

Mit dem Ende der Sommerferien müssen die Hamburger Schülerinnen und Schüler am Donnerstag (4. September) zurück in ihre Schulen. In der Hansestadt starten auch 620 neu eingestellte Lehrerinnen und Lehrer ins neue Schuljahr – das sind 80 mehr als im Vorjahr, wie die Schulbehörde in der Hansestadt mitteilte. Mit den Neueinstellungen reagiert die Stadt auf die stetig steigenden Schülerzahlen. Dennoch fehlen noch Lehrer.

Aktuell haben Hamburgs Schulen 58 Lehrerstellen für das kommende Schuljahr ausgeschrieben, wie die Schulbehörde mitteilte. Die meisten Lehrer fehlen mit 20 unbesetzten Stellen demnach aktuell in den Grundschulen, danach folgen die Sonderschulen mit 18 unbesetzten Stellen. 11 Lehrkräfte fehlen demnach in den Stadtteilschulen sowie 8 in Gymnasien und eine in Berufsschulen.

«Darüber hinaus können aber weitere Stellen vakant sein, weil die Schulleitung diese zum Beispiel für rückkehrende Lehrkräfte aus Elternzeit, Sabbaticals, aus dem Auslandsschuldienst oder für demnächst ihren Vorbereitungsdienst abschließende Lehramts-Referendare vorübergehend freihält», teilte die Behörde mit. Das sei im Sinne einer aktiven Personalentwicklung möglich.

Einen Lehrkräftemangel gibt es laut Sprecher der Hamburger Schulbehörde in den «bundesweiten Mangelfächern» MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Musik und Theater. Welche Schulformen das besonders betrifft, sei wegen des laufenden Einstellungsverfahrens bisher nicht erfasst.

Darüber hinaus fehlten Lehrer «in sehr speziellen Fächern im Lehramt für berufliche Schulen», dazu zählen demnach Metalltechnik, Sozialpädagogik, Kinder- und Jugendhilfe, Holz- und Kunststofftechnik sowie Chemietechnik.

Bei den fachgebundenen Ausschreibungen seien demnach folgende Fächer gefragt: Deutsch (4), Musik (2), Englisch (2), Chemie (2), Physik (1), PGW (1), Sachkunde (1), Französisch (1), Sonderpädagogik (6). Auch hier sei, wie bei der Zahl aller Ausschreibungen, eine Abweichung möglich. Die allermeisten Ausschreibungen seien allerdings nicht fächerspezifisch.

«Wenn Lehraufträge zum Schuljahresende ausgelaufen sind, dann deshalb, weil der Grund für die befristete Einstellung weggefallen ist», teilte die Schulbehörde mit. Dazu zählen Elternzeit-Vertretungen oder Vertretungen aufgrund längerfristiger Erkrankung eines Lehrers.

Ob eine Schule erneut befristete Lehraufträge im neuen Schuljahr vergibt, sei eine Einzelfallentscheidung jeder Schule, denn es hänge davon ab, ob weiter Gründe für befristete Vertretungen vorliegen. «Grundsätzlich setzt sich die Schulbehörde dafür ein, dass Lehrkräfte unbefristet eingestellt werden, wann immer die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind.»

Für mögliche Vertretungslehrer in Hamburg sei laut Behörde ausreichend Geld in den Töpfen. «Alle Schulen sind ausreichend mit Vertretungsmitteln im Rahmen der schuleigenen Budgets ausgestattet», teilte der Sprecher mit.

Schülerinnen und Schüler bemerken den Lehrermangel insbesondere in den Nebenfächern, die teilweise nicht angeboten werden könnten, teilte der Vorsitzende der Schüler:innenkammer Hamburg, Thorben Bauer, der dpa mit. Dazu zählen demnach vor allem die Naturwissenschaften.

Stunden fielen aus und Vertretungsunterricht sei oft nicht gleichwertig, da teilweise eine Lehrkraft für drei Klassen gleichzeitig zuständig und bei längeren Ausfällen von Lehrkräften eine Vertretung daher nur schwer umsetzbar sei.

Zusätzlich sorge aus Sicht des Schülerinnen- und Schülerkammer der Hansestadt die Einführung des Pflichtfaches Informatik für große Herausforderungen, teilte der Sprecher mit. Von den mehr als 600 neu eingestellten Lehrkräften dieses Halbjahres seien lediglich sechs im Fach Informatik ausgebildet – die Schülerinnen und Schüler sehen hier ein Missverhältnis. «Wir befürchten, dass der Unterricht in diesem wichtigen Zukunftsfach häufig ausfallen wird, was die Qualität und den Lernerfolg deutlich mindern wird.»

«An einzelnen Schulen wird sehr viel Unterricht durch Stellvertretungs-Lehrer abgedeckt», sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Hamburg. Es sei problematisch, wenn viele Stunden durch nicht ausgebildete Lehrer geleistet werden – «das sind teils junge Studenten, die einfach vor die Klassen gesetzt werden – das ist dramatisch», sagte er. Das sei allerdings nicht an jeder Schule der Fall. Und im Bundesvergleich stehe Hamburg diesbezüglich eher gut da – andernorts sei die Lage kritischer.

Die Gewerkschaft fordert, dass die Vertreter in der Hansestadt durch spezielle Tutoren in den Schulen unterstützt und eingearbeitet werden. Dafür fehle aktuell aber das Personal. Abhilfe schaffen könnte hier eine Evaluation mit der Uni Hamburg dazu, warum Studenten ihr Lehramtsstudium abbrechen – damit beschäftige sich die Bildungsbehörde bereits.

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