07. September 2026 – dpa

Klimawandel

Nord- und Ostsee waren im Sommer deutlich zu warm

Nicht nur im Mittelmeer ist das Wasser deutlich wärmer geworden, auch bei uns steigt die Temperatur der Meere. Forscher warnen vor weitreichenden Folgen für die Tierwelt und die Menschen.

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Rund um Helgoland war die Nordsee in diesem Sommer besonders warm, haben Messungen von Experten ergeben. (Archivbild), Foto: Stefan Rampfel/dpa

Die Temperaturen in Nordsee und Ostsee haben in diesem Sommer deutlich über dem langjährigen Mittel gelegen. Das zeigen neue Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee habe in diesem Sommer bei 15,6 Grad Celsius gelegen, knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel von 1997 bis 2021. Damit habe die Nordsee den fünftwärmsten Sommer seit 1997 erlebt. Die südliche Nordsee und der Ärmelkanal seien besonders warm gewesen. Hier hätten die Temperaturen das langjährige Mittel um zwei Grad und mehr übertroffen.

Die Gewässer um Helgoland gehörten zu den besonders stark erwärmten Regionen der Nordsee. Am 1. Juli 2026 lag die Oberflächentemperatur dort an der Messstation sogar fast vier Grad über dem Mittelwert für diesen Tag seit Inbetriebnahme der Station im Jahr 2009.

Auch die Ostsee war nach Angaben des BSH im Sommer wärmer als üblich. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur lag bei 17,2 Grad Celsius und damit ebenfalls knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel. Damit war es der siebtwärmste Sommer in der Ostsee seit 1997. Besonders hohe Werte traten vor der schwedischen Ostküste, entlang der deutschen und polnischen Küsten sowie im äußersten Norden auf.

Insbesondere der Juni sei in der Ostsee mit fast drei Grad über dem langjährigen Mittel extrem warm gewesen. Im Juli und August habe das BSH eher durchschnittliche Temperaturen registriert.

«Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen», sagte Tim Kruschke, der Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH. Zwar seien Nordsee und Ostsee nicht in gleichem Maße betroffen wie das Mittelmeer oder der Nordostatlantik, dennoch gehörten die Temperaturen vielerorts zu den höchsten der vergangenen Jahrzehnte.

Wärmere Meere haben weitreichende Folgen für Meer und Mensch, erklärte Kruschke. Sie veränderten Lebensräume und Nahrungsnetze: Für manche Arten verkleinere sich der Lebensraum drastisch, andere zögen in kühlere Gewässer, während nicht einheimische Arten sich ausbreiteten. Schädliche Algenblüten und Sauerstoffmangel nähmen ebenfalls zu.

Das BSH untersucht wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee und kombiniert dazu Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen. Aus den Wochenmitteln von Juni, Juli und August berechnete es das Sommermittel 2026 und verglich es mit dem Sommermittel von 1997 bis 2021.

Die Meere nehmen den Großteil der zusätzlichen Wärme auf, die durch den Klimawandel zustande kommt. Dem EU-Klimadienst Copernicus zufolge hat dies weitreichende Auswirkungen: Höhere Meerestemperaturen halten die Atmosphäre demnach länger warm und sorgen dafür, dass sich mehr Energie ansammelt – was das Risiko für extreme Stürme, Niederschläge und Überschwemmungen erhöht.

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