06. Oktober 2026 – dpa

Öffentlicher Nahverkehr

Norddeutsche Städte investieren verstärkt in Elektrobusse

Noch fahren durchschnittlich knapp 80 Prozent der Busse mit Dieselkraftstoff. Das hat die Deutsche Umwelthilfe ermittelt. Doch viele Städte bauen ihre Fuhrparks um - auch im Norden.

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Ein Elektrobus der Hamburger Hochbahn. (Archivbild)

Zahlreiche Städte ersetzen ihre Dieselbusse nach und nach durch Elektrobusse. Das belegt eine neue Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Sie hat die kommunalen Busflotten in den 40 größten deutschen Städten untersucht. Allerdings fahren demnach aktuell noch fast 80 Prozent der Busse in deutschen Großstädten mit Dieselantrieb.

Die Rangliste ergibt sich aus zwei Faktoren: dem Bestand an Elektrobussen und den Beschaffungsplänen der Städte. Die norddeutschen Städte schneiden bei dem Vergleich gut ab. Hamburg liegt nach der DUH-Studie mit einem Anteil an E-Bussen von 36,9 Prozent auf Platz sechs, Kiel mit 33,0 Prozent auf Platz sieben und Lübeck mit 28,9 Prozent auf Platz neun - Tendenz in allen drei Städten steigend.

Die Hamburger Hochbahn habe derzeit 1.103 Busse im Bestand, 432 davon seien Busse mit neuem Antrieb, sagt Sprecher Andreas Ernst. Bis zum Jahresende werde die Anzahl der Busse mit neuem Antrieb auf 451 steigen. «Bis zum Jahr 2031 schafft die Hochbahn bis zu 240 weitere batterieelektrische Busse an, sodass der Anteil weiter deutlich auf bis zu 60 Prozent steigen wird», sagt Ernst.

Die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) nennt andere Zahlen als die DUH. Die KVG hat in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt nach eigenen Angaben aktuell 122 Elektrobusse im Betrieb, das sei eine Quote von 51 Prozent, dazu 33 Hybridbusse (14 Prozent) und 82 Dieselbusse (35 Prozent).

In Lübeck umfassten die Busflotten von Stadtwerke Lübeck Mobil und der Lübecker Verkehrsgesellschaft (LVG) derzeit 200 Fahrzeuge, darunter 86 Elektrobusse, erklärt Stadtwerke-Sprecher Tim Krawczyk. 14 weitere E-Gelenkbusse sollen 2027 und 2028 ausgeliefert werden. «Damit wird künftig mehr als die Hälfte der Busflotte elektrisch betrieben», sagt Krawczyk.

Die Stadt Rostock liegt in der DUH-Studie mit einer Elektrobus-Quote von 12,6 Prozent auf Platz 27 der Liste von 40 Städten. Nach den Angaben sollen 85,7 Prozent der Neuanschaffungen von Bussen weiterhin mit Verbrennerkraftstoff fahren. «Aktuell haben wir 12 Elektrobusse im Einsatz, insgesamt verfügen wir über rund 95 Busse», sagt Beate Langner, die Pressesprecherin der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG).

Die Unterschiede zwischen den Städten seien groß, heißt es in der DUH-Studie. Während in den Vorreiterstädten Mannheim, Freiburg und Karlsruhe demnach über die Hälfte der Busse elektrisch mit Batterieantrieb fahren, ist in den Schlusslichtern Augsburg, Essen, Wuppertal, Krefeld und Magdeburg noch kein einziger E-Bus unterwegs. Alle Städte auf den ersten 20 Plätzen planen keine Neuanschaffungen von Dieselbussen mehr.

Die DUH kritisiert vor diesem Hintergrund, dass die Bundesregierung dieses Jahr die E-Bus-Förderung um zwei Drittel kürzt. Die Umweltschützer sehen angesichts der ab 2030 deutlich verschärften Luftreinhaltevorschriften in der Europäischen Union die Notwendigkeit einer beschleunigten Ausmusterung insbesondere der alten und besonders schmutzigen Dieselbusse.

«Dieselbusse werden in der Regel länger als zehn Jahre im Nahverkehr betrieben. Städte, die bis 2030 neue Verbrennerbusse beschaffen, verschieben den Abschied von fossilen Antrieben so bis in die 2040er Jahre», sagt Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der DUH.

Die kommunalen Verkehrsbetriebe müssten zum Schutz der Menschen und des Klimas den Neukauf von Verbrennerbussen stoppen und ihre Busflotten bis 2030 vollständig elektrifizieren, sagt Resch. Technisch geeignete Dieselbusse ließen sich inzwischen auch auf Elektroantrieb umrüsten.

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