10. September 2026 – dpa
Die frühere Bundeskanzlerin hat eine 700 Seiten starke Autobiografie über ihr politisches Leben geschrieben. Bei einer Sonderlesung in Mecklenburg-Vorpommern findet eine Passage besonderen Widerhall.
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Menschen aufgefordert, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen. «Wie es so ist, there is no free lunch - es gibt nichts umsonst», sagte die ehemalige CDU-Chefin bei einer Lesung ihrer Autobiografie «Freiheit» vor rund 1.200 Menschen in Peenemünde auf Usedom in Mecklenburg-Vorpommern. «Auch Sie kriegen noch einen kleinen Auftrag mit.»
Merkel las eine Passage aus dem Buch, in der sie feststellt, dass heute «in bisher nicht gekanntem Maße Wahrheit Lügen und Lügen Wahrheiten genannt werden und das auch in Demokratien von Menschen in führenden Positionen ausgenutzt wird». Wahre Freiheit sei aber nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht, sie kenne Hemmungen und Skrupel. «Freiheit braucht demokratische Bedingungen, ohne Demokratie gibt es keine Freiheit», betonte Merkel.
Sie richtete den Appell an die Menschen: «Wenn wir in Freiheit leben wollen, müssen wir unsere Demokratie (...) gegen die verteidigen, die sie bedrohen. Das kann gelingen, wenn wir zusammenarbeiten, wenn wir uns gemeinsam engagieren, jeder und jede für sich und wir alle füreinander.»
Merkel erhielt für diese Sätze und während der 90-minütigen Lesung immer wieder Applaus, unter anderem, als sie Passagen zum Flüchtlingssommer 2015 und zu ihrer Entscheidung zur Aufnahme der aus Ungarn kommenden Syrer sprach. Sie räumte ein, dass die AfD durch diese Entscheidung wie auch durch ihre Politik in der Euro-Krise Auftrieb erhalten habe. Zugleich mahnte sie, man dürfe nicht zentrale Prinzipien aufgeben, um die AfD vermeintlich kleinzuhalten. Sie nannte unter anderem europäische Einheit, Reisefreiheit und die Wahrung der Menschenwürde.
«Die demokratischen Parteien haben großen Einfluss darauf, wie stark die AfD tatsächlich werden kann», sagte Merkel. «Ich bin überzeugt, wenn sie annehmen, die AfD klein halten zu können, indem sie unentwegt über deren Themen sprechen und sie diese dabei am besten auch noch rhetorisch übertrumpfen wollen, ohne tatsächliche Lösungen für bestehende Probleme anzubieten, dann werden sie scheitern.» Demokratischen Parteien müssten ohne taktische Manöver und maßvoll im Ton Antworten anbieten. «Maß und Mitte, das ist Basis und Voraussetzung für den Erfolg demokratischer Parteien», sagte Merkel.