28. August 2026 – dpa
Behörden rätseln, wohin und wie der Windkraftbetrüger Hendrik Holt geflohen ist. Am Flughafen Rostock soll er nicht gewesen sein - dafür vielleicht in Moskau?
Windkraftbetrüger Hendrik Holt hat nach seiner Flucht den Behörden noch eine letzte Botschaft zukommen lassen. Einen Tag nach seinem Verschwinden sei eine E-Mail bei dem Berliner Gefängnis eingegangen, in dem er untergebracht war, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit. Sinngemäß habe er ausrichten lassen, dass er nicht zurückkehren werde.
Den Angaben zufolge geht aus dem Schreiben ein Absender hervor. Zu ihm würden jedoch keine Angaben gemacht. Laut NDR stand in der Nachricht wörtlich «Hendrik Holt kommt nicht zurück». Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ließ einen europäischen Haftbefehl ausstellen, wie ein Sprecher bestätigte.
Holt ist auf der Flucht, seit er am Dienstag von einem genehmigten Ausgang nicht in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurückkehrte, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte. In Berlin war Holt im offenen Vollzug. Nach dem 36-Jährigen aus dem emsländischen Haselünne werde gefahndet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Wo er sich aufhält, ist bisher nicht bekannt. Von der Staatsanwaltschaft hieß es lediglich, dass Fahndung und Ermittlungen andauern. Mehrere Medien griffen unterdessen einen Instagram-Post auf, in dem es heißt: «Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch». Die Staatsanwaltschaft erklärte, der Instagram-Post sei ihr bekannt. Einschätzungen und Bewertungen dazu gebe man vor dem Hintergrund der andauernden Fahndung aber nicht ab.
Vom Flughafen Rostock hieß es unterdessen, dass Holt Deutschland nicht von dort verlassen habe. «Jeder Flug, der von hier abgeht, muss den Behörden angemeldet werden unter Angabe der Passagiere - das gilt auch für Privat- und Charterflüge», sagte Karsten Lauth, Projektleiter von Airportbetreiber Crisp Partners der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Lauth ist auch der Ehemann der aktuellen Flughafen-Geschäftsführerin Ira Lauth; Crisp Partners hat 2025 den zivilen Teil des Flughafens übernommen.
«Wenn Hendrik Holt von hier hätte ins Ausland fliegen wollen, hätten Zoll, Verkehrsleitstelle und Bundespolizei das mitbekommen», betonte Lauth, der auch als Presssprecher des Flughafens tätig ist. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er darüber hinaus, Holt habe damals den Kontakt für den Verkauf des Flughafens an Crisp Partners hergestellt. Es sei auch Holts Idee gewesen, an dem Standort Energieinfrastruktur zu entwickeln. Lauth bezeichnete Holt trotz dessen Vorstrafen weiter als «Experten mit Netzwerk und Planern».
Das ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammende Unternehmerpaar Lauth und Holt kennen sich demnach aus Berliner Netzwerken. «Es ist aber mitnichten so, dass Holt an dem Flughafen oder Crisp Partners beteiligt wäre», betonte Lauth.
2022 hatte das Landgericht Osnabrück Hendrik Holt zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Es ging um bandenmäßigen Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung. Zuletzt saß er in einem Gefängnis in Berlin. Der Ausgang am Dienstag, bei dem Holt untertauchte, war laut einem Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung» bereits Holts 513. Ausgang. Die Staatsanwaltschaft ließ die genaue Anzahl offen, bestätigte aber, dass sich der 36-Jährige bereits seit Ende Oktober 2024 im offenen Vollzug befand.
Holt, über den es auch eine ARD-Doku gibt («Holt - Der Windkraft-Schwindler»), hatte unter anderem angeblich existierende Windparks an ausländische Stromkonzerne verkauft, die es in Wahrheit gar nicht gab. Zudem hatte er ausländische Diplomaten bestochen, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen.