10. Juli 2026 – dpa

Marode Immobilie in Toplage

Grundsatzbeschluss: Stadt soll sich um Villa Baltic kümmern

Mehr als 100 Jahre Geschichte, Zwangsverkauf, Leerstand – wann erhält die Villa Baltic in Kühlungsborn neues Leben? Die Stadtverwaltung hat Pläne - und die Unterstützung eines wichtigen Gremiums.

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Seit über drei Jahrzehnte steht die historische Villa Baltic in Kühlungsborn leer und verfällt. (Archivbild)

Die Stadtvertretung des Ostseebads Kühlungsborn hat für die Sanierung der seit langem leerstehenden Villa Baltic durch die Stadt sowie eine überwiegende öffentliche Nutzung gestimmt. Nach Angaben von Bürgermeisterin Olivia Arndt nahm das Gremium die Vorlage eines entsprechenden Grundsatzbeschlusses mit breiter Mehrheit an. Zuvor hatte der NDR berichtet.

Nach langem Hin und Her um das seit Jahrzehnten leerstehende historische Gebäude an der Ostsee-Promenade hatte die Stadtverwaltung Anfang des Jahres vorgeschlagen, dass die Stadt das Gebäude kauft. Der zuvor verfolgte Plan, nach dem ein Investor die Villa saniert und mit einem Hotelneubau an der Strandpromenade direkt daneben refinanziert, sei gescheitert, hieß es damals.

Nach damaligen Angaben der Stadtverwaltung sollen auch Neubauten entstehen und das Quartier öffentlich und für die Verwaltung genutzt werden. In dem aktuellen Grundsatzbeschluss ist beispielhaft von einer Nutzung durch das Standesamt die Rede, von Verwaltungsflächen und zum Beispiel einem Sitzungsaal, von Veranstaltungsflächen für Kunst, Kultur und Museen und öffentlichen Bereichen mit Gastronomie für Gäste und Einwohner.

«Die angestrebte Modernisierung und Instandsetzung der Villa Baltic soll vorzugsweise durch den Bau einer benachbarten Veranstaltungshalle flankiert und unterstützt werden», heißt es zudem. In einer Mitteilung der Stadt ist von einem «neuen Mittelpunkt für Kühlungsborn West» die Rede. Mit der Aufnahme des Quartiers in die Städtebauförderung stünden umfangreiche Fördermittel bereit.

Die Oldenburger Projektentwickler Jan und Berend Aschenbeck hatten die Villa 2019 gekauft. Sie seien grundsätzlich zum Verkauf bereit, teilten sie Ende März mit, nannten aber Bedingungen, etwa ein gemeinsames Verkehrswertgutachten eines Gutachters.

Die 1912 errichtete Villa hat eine bewegte Geschichte. Die früheren Eigentümer vermachten Villa und Park im heutigen Kühlungsborn West und damaligen Arendsee 1929 der «Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin».

Unter den Nazis kam es zum Zwangsverkauf für einen Spottpreis, die Villa wurde später als Lazarett umfunktioniert und nach dem Krieg von der Roten Armee geplündert. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude ein Erholungsheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB). Seit der Wende steht es leer.

Mit dem Grundsatzbeschluss ist laut Stadt noch keine abschließende Entscheidung über den Vertragsabschluss zum Kauf verbunden. Die konkreten Regelungen würden nach Abschluss der Vertragsverhandlungen der Stadtvertretung in nichtöffentlicher Sitzung zur Entscheidung vorgelegt.

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