10. Juli 2026 – dpa
Ob neue Direktverbindungen nach Hamburg oder ein Innenstadtbahnhof in Flensburg: Der neue Nahverkehrsplan verspricht mehr Komfort und Tempo im Norden. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.
Der Bahnverkehr in Schleswig-Holstein soll zuverlässiger und bequemer werden. Der neue landesweite Nahverkehrsplan für die Jahre 2027 bis 2031 sieht dazu eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, wie das Verkehrsministerium und der Nahverkehrsverbund (NAH.SH) mitteilten.
So soll es auf den Strecken zwischen Hamburg und Itzehoe, Wrist (Kreis Steinburg) sowie Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) mehr Kapazität durch den Einsatz von Doppelstockwagen oder längere Züge geben. Im Akkunetz sollen zwischen Kiel und Flensburg, Husum sowie Lübeck längere Züge fahren.
Die Strecke Neumünster - Bad Segeberg - Bad Oldesloe soll elektrifiziert und überwiegend für eine Geschwindigkeit bis zu 160 Kilometer pro Stunde ausgebaut werden und teilweise ein zweites Gleis erhalten. Eine neue Linie (RE78) soll auf der Strecke Kiel, Neumünster, Bad Segeberg, Bad Oldesloe und Hamburg fahren.
Für den Ballungsraum Hamburg ist die Fertigstellung der neuen S-Bahn-Linie 5 als Direktverbindung von Hamburg nach Quickborn (Kreis Pinneberg), Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) geplant. Die S-Bahn-Linie 4 Ost von Hamburg nach Ahrensburg, Bargteheide (Kreis Stormarn) und Bad Oldesloe soll weitergebaut werden. Der Knoten Elmshorn und die Strecke Elmshorn - Pinneberg sollen mit zwei zusätzlichen Gleisen sowie neuen Stationen in Elmshorn Süd und Pinneberg Nord ausgebaut werden.
Außerdem ist die Reaktivierung der Bahnstrecke von Hamburg-Bergedorf nach Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) vorgesehen.
Zu den Planungen gehören auch Verbesserungen bei der Marschbahn wie Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau zwischen Niebüll und Westerland (Kreis Nordfriesland). In Kiel sind mit der Reaktivierung der Bahnstrecke Kiel - Schönberger Strand (Kreis Plön) und dem neuen Pendelzug nach Preetz (Kreis Plön) bereits bis Ende 2027 Verbesserungen vorgesehen. In Lübeck sollen Direktverbindungen etwa zwischen Neustadt, Sierksdorf oder Bad Schwartau (Kreis Ostholstein) nach Hamburg entstehen. Ein neuer Innenstadtbahnhof an der Hafenspitze soll in Flensburg gebaut werden. Für den Fern- und Regionalverkehr soll ein neuer Bahnhof in Flensburg-Weiche entstehen.
Nach Angaben von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) stößt das Nahverkehrsangebot in Schleswig-Holstein zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. «Deshalb war es uns wichtig, in diesem Nahverkehrsplan konkrete Maßnahmen vorzusehen, die die Kapazitäten möglichst schnell erweitern und spürbare Verbesserungen für die Fahrgäste bringen.»
Der SPD-Landesvorsitzende Ulf Kämpfer kritisierte, der neue Landesnahverkehrsplan sei mit der heißen Nadel gestrickt. Der Landtag sei nicht eingebunden gewesen und für die kommunale Ebene habe es eine extrem knappe Rückmeldezeit für Stellungnahmen gegeben. «Es werden munter Projekte als gesetzt verkauft, bei denen die Landesregierung keinen Schimmer hat, wie sie finanziert werden sollen», so Kämpfer, die als Spitzenkandidat der SPD zur Landtagswahl im kommenden April antritt.
Aus Sicht des FDP-Fraktionschefs im Landtag, Christopher Vogt, enthält der Entwurf viele sinnvolle Projekte, die den Nahverkehr in Schleswig-Holstein verbessern können. «Der Plan muss aber auch konsequent umgesetzt werden», forderte er. Und genau daran hake es bei dieser Landesregierung: Es würden immer wieder Versprechungen gemacht, um dann später genau gegenteilig zu handeln.