02. Juli 2026 – dpa

Notfälle

Ludwigslust: Flammen in Klinik fordern zwei Menschenleben

Nach dem Brand in der Ludwigsluster Klinik bleibt die Ursache unklar. Wie Politik und Einsatzkräfte auf die Tragödie reagieren und was über die Schäden bekannt ist.

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In einem Krankenhaus in Ludwigslust ist ein Feuer ausgebrochen. (Symbolbild)

Die Sonne ist kaum aufgegangen, da schlagen Flammen aus dem Dachstuhl eines Krankenhauses in Ludwigslust. Sie breiten sich rasch aus. Schnell ist klar: Das Feuer ist in einem Patientenzimmer ausgebrochen. Zwei Patienten sterben.

Am Vormittag standen noch immer mehrere Feuerwehrautos mit blinkendem Blaulicht vor der Klinik. Die Polizei sperrte das Gelände rundherum ab. Auch Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) waren vor Ort. Das Feuer war inzwischen gelöscht, Nachlöscharbeiten noch im Gange. Gegen 11.30 Uhr wurde der Einsatz für beendet erklärt, die Kräfte packten zusammen.

Das sei am Morgen ein ganz schwerer Moment für alle gewesen, sagte der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), am Vormittag. Er sei sehr betroffen und in Gedanken bei den Angehörigen der Verstorbenen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sozialministerin Stefanie Drese (beide SPD) machten sich vor Ort ein Bild von den Geschehnissen.

«Meine Trauer und mein Mitleid gilt den Angehörigen der Opfer», sagte Schwesig bei einer Pressekonferenz: «Wir kennen das aus Ludwigslust, dass Ludwigslust zusammensteht.» Das habe die Stadt einmal mehr bewiesen. Alle Einsatzkräfte hätten ihren Beitrag dazu geleistet, dass noch Schlimmeres verhindert werden konnte. Die Mitglieder von Mecklenburg-Vorpommerns Landtag erhoben sich während der am Vormittag laufenden Sitzung zu einem Moment des Innehaltens.

Das Feuer war am frühen Morgen um 4.29 Uhr in einem Zimmer der Gefäßchirurgie-Station ausgebrochen. Dort soll einer der beiden später Verstorbenen gelegen haben, der zweite wohl in einem Nachbarraum. Bei einem der Opfer handelte es sich nach Polizeiangaben um einen 85 Jahre alten Mann. Die Angehörigen seien informiert worden. Auch der zweite Tote sei ein Mann gewesen, allerdings zunächst nicht identifiziert worden. Eine weitere Person wurde mit einer Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus nach Schwerin gebracht.

Zum Zeitpunkt des Brandes waren etwa 100 Menschen in dem Gebäude - gut 80 Patienten und 20 Mitarbeitende. Die gesamte Einrichtung wurde zunächst evakuiert. Wegen des guten Brandschutzes habe die Feuerwehr nicht betroffene Stationen aber wieder freigeben können. Einige Patienten wurden in eine Partnerklinik nach Hagenow verlegt, weitere könnten im Tagesverlauf folgen.

Zunächst war von mehr als 30 Verletzten die Rede gewesen. Diese Angaben wurden korrigiert, nur eine weitere Person habe eine Rauchgasvergiftung erlitten. Grund für die unterschiedlichen Zahlen sei, dass Einsatzkräfte zunächst Menschen retten, Verletzte versorgen und Gefahren beseitigen müssten. Eine vollständige Erfassung aller Betroffenen sei oft erst später möglich.

Nicht betroffen war - wie zunächst befürchtet - die Radiologie der Klinik. Löschwasser beschädigte jedoch die Technik des Herzkatheter-Labors im Stockwerk unter dem Brandherd. Das genaue Ausmaß der Schäden soll in den kommenden Tagen und Wochen begutachtet werden. Nach Polizeiangaben wird ein Brandursachenermittler hinzugezogen.

Landrat Sternberg kündigte an, dass innerhalb von 24 Stunden ein Notdach über dem betroffenen Bereich errichtet werden soll. Die Arbeiten sollen schon am Mittag beginnen. «Das ist wichtig, um die Funktionsfähigkeit des zentralen Bereichs wiederherzustellen», so Sternberg weiter. Der Brand habe ein Gebäude getroffen, «das Teil unserer zentralen Herzkammer ist. Es war ein Stich in einen unserer modernsten Gebäudeteile.»

Das Klinikum verfügt laut eigener Internetseite über 160 Betten. Es ist das einzige Krankenhaus in Ludwigslust und stellt als Akutklinik unter anderem die Grund- und Regelversorgung in der Region sicher. Mit den Standorten Hagenow und Crivitz bildet es die LUP-Kliniken.

Nach Abschluss der Löscharbeiten wurde mit Drohnen nach Glutnestern gesucht. In der Spitze bekämpften etwa 90 Feuerwehrkräfte die Flammen, hinzu kamen rund 40 Beamtinnen und Beamte der Polizei, wie eine Landkreis-Sprecherin mitteilte.

Immer wieder kommen bei Bränden in Krankenhäusern Menschen ums Leben. Im September 2025 starb ein 26-jähriger Patient bei einem Feuer auf einer psychiatrischen Station der Universitätsmedizin Rostock. Im Juni 2025 verloren im Hamburger Marienkrankenhaus drei Patienten im Alter von 84, 85 und 87 Jahren ihr Leben, 34 weitere wurden verletzt. Ein dementer Mitpatient hatte sein Kopfkissen angezündet.

Im Januar 2024 forderte ein Brand im Klinikum Uelzen in Niedersachsen fünf Todesopfer. Das Feuer wurde laut Staatsanwaltschaft wahrscheinlich durch einen psychisch auffälligen Patienten verursacht, der dabei selbst ums Leben kam.

Nach Angaben des Bundesverbands Technischer Brandschutz (bvfa) ereigneten sich im Jahr 2025 deutschlandweit 116 Krankenhausbrände mit vier Todesopfern und 129 Verletzten. Für das Jahr 2024 registrierte der bvfa insgesamt 114 Klinikbrände mit sieben Todesopfern und 148 Verletzten. Brandstiftung - vorsätzlich und fahrlässig - stellt laut bvfa mit einem Anteil von zuletzt etwa 50 Prozent an den aufgeklärten Fällen die häufigste Brandursache in deutschen Krankenhäusern dar.

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