31. August 2026 – dpa
Mehr als 200 Teenager haben in Rostock prominente Kandidaten zur Landtagswahl getroffen. Sie hörten dabei auch, was bei den Politikern zu Hause am Küchentisch Thema ist.
Brechend voll ist der Rostocker Barocksaal beim Demokratieforum des Landesschülerrats mit prominenten Kandidaten zur Landtagswahl. Gut 200 Teenager aus dem ganzen Land sind gekommen, um zu erfahren, was die Parteien zu den Themen zu sagen haben, die sie besonders interessieren.
Hintergrund ist, dass bei der Landtagswahl am 20. September erstmals auch 16- und 17-Jährige mitwählen dürfen. Laut Landeswahlleitung machen sie knapp zwei Prozent aller Wahlberechtigten aus.
Kandidaten der sechs Parteien SPD, AfD, CDU, Linke, Grüne und FDP sitzen auf dem Podium, darunter die Spitzenkandidaten der beiden in Umfragen führenden Parteien, Enrico Schult (AfD) und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Als erstes Thema wird die Debatte um eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht aufgerufen.
Alle sechs Kandidaten begrüßen die Freiwilligkeit des Wehrdienstes, wie sie derzeit geregelt ist. Der CDU-Politiker Thorsten Renz sagt, wenn einmal eine andere Lösung notwendig werden sollte, werde der Bundestag darüber entscheiden. Das Land müsse verteidigungsfähig sein. AfD-Mann Schult sagt, dass seine Partei sich immer für die Wehrpflicht eingesetzt habe, man jetzt vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs aber für die Freiwilligkeit sei. Er sei Vater eines 17-jährigen Sohnes, erzählt er. «Das heißt, wir debattieren auch darüber.»
Der Landesschülerrat gibt den sechs Kandidaten sein Forderungsbuch zur Landtagswahl mit. Die rund 200.000 Schüler im Land verlangen etwa mehr Lehrer für weniger Stundenausfall, KI-Bildung im Unterricht statt Verbote, einen massiven Ausbau der Sozialarbeit an den Schulen sowie ein kostenfreies Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler in MV.
Die Teenager im Saal erfahren so einiges, worüber bei anderen Wahlveranstaltungen eher nicht gesprochen wird. So erzählt die FDP-Kandidatin Jessica Mendle, dass sie vier Kinder hat und dass es schon mal zwei Wochen am Stück in der siebenten Klasse keinen Unterricht gegeben habe, weil 16 Lehrer krank gewesen seien. Das hänge auch mit Überlastung der Lehrer etwa durch überbordende Bürokratie zusammen, meint sie. An den Privatschulen gebe es weniger Ausfall. Da müsse man einmal hinterfragen, warum das so sei.
Ministerpräsidentin Schwesig sagt, dass es wichtig sei, dass junge Menschen mitbestimmen könnten. Sie spricht sich für eine Absenkung des Wahlalters auch bei der Bundestagswahl auf 16 Jahre aus. «Dann spielen Themen, die junge Leute betreffen, eine konkrete Rolle», sagt sie. Der Grünen-Spitzenkandidat Ole Krüger ruft die Teenager dazu auf, sich in Schüler- und Jugendvertretungen und auch in den Jugendorganisationen der Parteien zu engagieren und sich so Gehör zu verschaffen.
Als es um die mentale Gesundheit Jugendlicher geht, erhält die Kandidatin der Linken auf dem Podium, Sophie Tieding, spontanen Applaus vom Publikum, als sie von Angststörungen und Depressionen junger Menschen berichtet. In den Schulen müsse der Leistungsdruck sinken, sagt sie. So müsse es weniger Klassenarbeiten in einer Woche geben. In Fächern, die mit Talent zu tun hätten, wie Sport, Musik und Kunst, sollte aus ihrer Sicht auf Noten verzichtet werden.