12. August 2026 – dpa
Am Landgericht Rostock herrschen am Mittwoch strenge Sicherheitsvorkehrungen. Ein größerer Drogenprozess soll starten - eigentlich, denn es gibt Probleme.
Der Prozess am Landgericht Rostock gegen einen Mann und eine Frau wegen des mutmaßlichen Versuchs, mehr als eine viertel Tonne Kokain per Segeljacht nach Europa zu bringen, verzögert sich. Auch über anderthalb Stunden nach angesetztem Start hatte die Verhandlung am Mittwoch nicht begonnen. Grund ist laut Gericht, dass eine Schöffin nicht erschienen ist. Es sei aber Ersatz gefunden worden. Demnach sollte der Prozess mittags starten.
Bei Gericht galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Auf den Fluren waren maskierte Polizisten unterwegs, teils mit Helmen und Maschinenpistolen. Medienvertreter wurden penibel kontrolliert, ebenso ihre Taschen. Die Angeklagten dürfen laut Gericht nicht fotografiert oder gefilmt werden, auch nicht - wie sonst üblich - vor Beginn der Verhandlung und so, dass sie nicht erkennbar sind. Die Vorkehrungen sollen die Angeklagten schützen.
Der 59-Jährige und die 67-Jährige aus dem Landkreis Rostock sollen laut Anklage im Sommer vergangenen Jahres mit rund 264 Kilogramm Kokain an Bord von Kolumbien aus in Richtung Europa aufgebrochen sein. Gut einen Monat später seien sie von portugiesischen Ermittlern in der Nähe der Azoren gestoppt und durchsucht worden. Dabei wurde das Rauschgift laut Anklage sichergestellt. Beide befinden sich in Untersuchungshaft.
Den Marktwert der Drogen bezifferte die Staatsanwaltschaft mit etwa 15 Millionen Euro. Das sei aber ein eher theoretischer Wert, der sich aus dem Straßenwert errechne. Bei einer derartig großen Menge gebe es aber mehrere Zwischenschritte beim Verkauf.
Den Angaben zufolge war das Kokain für Deutschland gedacht. Wo die Reise genau enden sollte, war nach Aussage des Vertreters der Staatsanwaltschaft aber unbekannt. Ungewöhnlich sei zudem, dass das Kokain den Angaben der portugiesischen Behörden zufolge etwas gestreckt gewesen sei. Normalerweise sei das bei Kokain direkt aus Kolumbien nicht der Fall.
Zum Auftakt soll die Anklage verlesen werden und die Angeklagten die Möglichkeit erhalten, sich zu äußern. Ob sie dies nutzen, ist laut Gericht unklar. Bis Mitte Oktober sind insgesamt 13 Verhandlungstage angesetzt. Der Strafrahmen umfasst laut Gericht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von 1 bis 15 Jahren. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.