09. Juli 2026 – dpa
Die Rüstungsbranche boomt, dabei macht auch eine Flensburger Militärfirma gute Geschäfte. Die wird nun in einem Milliardendeal an eine Kölner Traditionsfirma verkauft.
Die Flensburger Rüstungsfirma FFG bekommt aller Voraussicht nach einen neuen Eigentümer. Wie der Kölner Motorenhersteller Deutz mitteilte, habe er eine Vereinbarung zur kompletten Übernahme der FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH geschlossen. Der Kaufpreis liege bei rund 1,6 Milliarden Euro, der teilweise in neuen Deutz-Aktien bezahlt werden soll. Die jetzige Eigentümerfamilie der FFG bleibt als neuer Ankeraktionär von Deutz mit an Bord, sie soll künftig 29,9 Prozent der Anteile an dem Kölner Konzern halten. Die Zustimmung der Deutz-Hauptversammlung steht noch aus, außerdem fehlt noch das grüne Licht von Kartellbehörden.
Die FFG hat derzeit den Angaben zufolge gut 1.100 Beschäftigte, 2025 kam sie auf einen Umsatz von 760 Millionen Euro. Der Gewinn wurde nicht mitgeteilt, die Firma ist aber profitabel. Die Flensburger Firma produziert, wartet und modernisiert Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und andere Militärfahrzeuge. Ein Kunde ist die Bundeswehr.
Deutz kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Für dieses Jahr rechnete die Firma im Mai mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. 2030 sollten es vier Milliarden sein, nach dem Zukauf der FFG soll dieses Ziel aber schon früher erreicht werden. Die Mitarbeiterzahl lag Ende März bei 6.014 und damit etwa 500 mehr als ein Jahr zuvor.
Deutz stellt vor allem Verbrennungsmotoren für schweres Gerät her, etwa für Kräne, Hebebühnen und Landmaschinen. Die Firma gilt als ein Profiteur der geplanten Milliardeninvestitionen des Bundes in die Infrastruktur. Auch Generatoren und Notstromanlagen sind im Sortiment, auch diesen Bereich stärkte Deutz mit Zukäufen.
Mit dem Zukauf stärkt Deutz seine noch kleine Rüstungssparte, die Motoren für einen polnischen Truppentransporter und Hilfsmotoren für Panzer herstellt. Im vergangenen Jahr kaufte Deutz einen Drohnen-Zulieferer. Dessen Elektroantriebe und Steuerantriebe sind in Drohnen verbaut, die von der ukrainischen Armee genutzt werden.
«Mit dem strategischen Zusammenschluss mit Deutz stellen wir die Weichen für die nächsten Generationen», sagt Norbert Erichsen, Sprecher des Gesellschafterkreises der FFG. «Gleichzeitig entsteht ein deutscher wehrtechnischer Industrieverbund, der die Stärken beider Unternehmen bündelt und ihre gemeinsame Entwicklung langfristig vorantreibt.» Deutz-Chef Sebastian Schulte sagt: «Zusammen mit FFG wird Deutz zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen.» Für seine Firma ist es der größte Zukauf ihrer gut 160-jährigen Firmengeschichte. Deutz gilt als ältester Motorenbauer der Welt.