29. August 2025 – dpa
Zum ersten Mal seit sieben Jahren erleben die HSV-Fans im Volksparkstadion wieder Bundesliga-Fußball. Doch das Derby gegen Rivale St. Pauli läuft gar nicht nach dem Geschmack des Aufsteigers.
Die HSV-Profis standen mit gesenkten Köpfen und bedröppelten Mienen vor ihren Fans, während die Kiez-Kicker vom FC St. Pauli auf der Gegenseite ausgelassen mit ihren Anhängern feierten. Gleich in seinem ersten Bundesliga-Heimspiel nach sieben Jahren hat der Rückkehrer durch ein 0:2 (0:1) im brisanten Stadtduell mit dem Nachbarschaftsrivalen seinen Status als Nummer eins in Hamburg verloren.
Adam Dzwigala (19. Minute) und der überragende Andreas Hountondji (60.) erzielten die Tore zum verdienten Gäste-Sieg. Neben dem Spiel verlor der HSV auch noch Giorgi Gotscholeischwili (77.) mit Gelb-Rot. «Es gibt nichts Schlimmeres als ein Derby zu Hause zu verlieren. Wir haben noch viel zu lernen», sagte HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz bei Sky und räumte ein: «Insgesamt muss man sagen, dass St. Pauli verdient gewonnen hat.»
Beim Rivalen herrschte Jubelstimmung. «Es war unfassbar. Was die Fans und die Mannschaft abgerissen haben, war überragend», sagte St. Paulis Mittelfeldspieler Louis Oppie. Und Präsident Oke Göttlich frohlockte: «Natürlich ist ein Derby-Sieg schön. Ich freue mich unheimlich für die Fans und bin so stolz.»
Mit dem ersten Derby-Sieg seit dem 14. Oktober 2022 setzte sich der FC St. Pauli mit vier Punkten nach zwei Spieltagen zumindest über Nacht an die Tabellenspitze. Das letzte Spiel der beiden sieben Kilometer entfernten Nachbarn hatte der HSV in der 2. Bundesliga im Mai 2024 mit 1:0 gewonnen.
Der Erfolg der Gäste diesmal im ersten Hamburger Stadtderby der Bundesliga seit mehr als 14 Jahren war verdient. Sie wirkten spielerisch reifer und abgeklärter. Das neu formierte Team des HSV, das weiter auf den ersten Saisontreffer wartet, benötigt hingegen noch Zeit und Geduld, um in der Bundesliga anzukommen.
Die 57.000 Zuschauer im ausverkauften Volksparkstation sorgten für eine atemberaubende Derby-Atmosphäre. Jedes erfolgreiche Tackling, jedes gelungene Dribbling, jeder herausgeholte Einwurf ihrer Teams wurde von den jeweiligen Fans frenetisch gefeiert.
Auf dem Rasen gingen beide Mannschaften vom Anpfiff weg intensiv zur Sache - Nickeligkeiten inbegriffen. Sowohl HSV-Trainer Merlin Polzin als auch sein Kollege Alexander Blessin vertrauten den gleichen Startformationen wie zum Auftakt in Mönchengladbach (HSV) und gegen Borussia Dortmund (FC St. Pauli), wo beide Teams zu Unentschieden kamen.
In der Anfangsphase fand das Spiel vor allem im Mittelfeld statt. Nach gut einer Viertelstunde erspielte sich der FC St. Pauli ein Übergewicht. Der HSV hatte in der Offensive nichts entgegenzusetzen. Die spielerischen Mängel wurde wie schon in der Vorbereitung offengelegt.
Mit dem ersten Torschuss gingen die Kiez-Kicker dann auch gleich in Führung. Nach einem Eckball setzte sich Dzwigala gegen HSV-Mann Miro Muheim durch und ließ Torhüter Daniel Heuer Fernandes keine Chance.
Wenig später hatten die Gastgeber Glück, als Schiedsrichter Christian Dingert eine Rangelei beim Laufduell zwischen HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha und Hountondji gegen den St. Pauli-Stürmer wertete. Hountondji wäre sonst durch gewesen. Kurz vor der Pause vergab Mathias Pereira Lage (41.) die Chance zum 2:0.
Nach der Pause setzte der HSV zunächst einige Impulse nach vorn. Und sah sich nach vier Minuten schon belohnt. Doch der vermeintliche Ausgleichstreffer durch Ransdorf Königsdörffer (49.) wurde nach Videobeweis wegen einer hauchzarten Abseitsstellung des Schützen zurückgenommen. Vier Minuten später musste St. Pauli-Torwart Nikola Vasilj nach einem Muheim-Freistoß erstmals ernsthaft eingreifen.
In der 56. Minute brachte Polzin die HSV-Sturmhoffnungen Yussuf Poulsen und Jean-Luc Dompé. Doch auch sie schafften nicht die Wende. Vielmehr kam St. Pauli zum zweiten Treffer. Nach Klasse-Pass von Joel Fujita lief Hountondji allein auf Heuer Fernandes zu und vollendete aus spitzem Winkel. Als Gotscholeischwili vom Platz musste, kamen die Gäste in Überzahl zu weiteren Chancen, konnten diese aber nicht nutzen.