19. August 2026 – dpa
Die Mieter der teilweise abgerissenen Holstenstraße 195/197 bleiben als Gemeinschaft zusammen: Ein leerstehendes Haus bietet ein neues Zuhause. Wie es für die Nachbarn weitergeht, ist noch offen.
Für die praktisch obdachlosen Mieterinnen und Mieter des wegen akuter Einsturzgefahr teilweise abgerissenen Wohnhauses in Hamburg-Altona hat sich eine Lösung gefunden. Die Hausgemeinschaft der Holstenstraße 195/197 kann geschlossen in ein Gebäude in weniger als einem Kilometer Entfernung einziehen, wie das Bezirksamt Altona mitteilte. Der Altonaer Spar- und Bauverein eG (altoba) stelle ein leerstehendes Haus zur Verfügung, das wegen Neubauplanungen eigentlich abgerissen werden soll.
«Auf unsere Bitte werden die geplanten Arbeiten verschoben und so eine Unterbringung für bis zu zwei Jahre ermöglicht», erklärte Bezirksamtsleiter Sebastian Kloth. Die Hausgemeinschaft habe sich ihr neues Zuhause bereits ansehen können - und freue sich, dass sie als Gemeinschaft zusammenbleiben könne. «In den nächsten Wochen werden noch einige Vorbereitungen getroffen, aber voraussichtlich bereits im Laufe des Septembers können die ersten Mietenden einziehen.»
Die Mieterinnen und Mieter mussten ihr Haus am 23. Juli wegen erheblicher Mängel umgehend verlassen und durften auch nicht zurückkehren. An tragenden Teilen des 1894 erbauten Gebäudes waren massive Risse entdeckt worden. Am 11. August wurde mit den Abrissarbeiten beim rückwärtigen Anbau begonnen. Besonders tragisch für die Bewohner: Sie verloren nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre im rückwärtigen Anbau gelagerten Habseligkeiten, konnten später nur noch einzelne Stücke aus dem Bauschutt klauben.
«Ihre prekäre Lage hat uns alle tief bewegt - auch mich, sowohl in meiner Funktion als Bezirksamtsleiter als auch ganz persönlich», sagte Kloth. Seit den Evakuierungen des Hauses sowie der angrenzenden Gebäude 191/193 und 199 lebten die betroffenen Menschen in Übergangslösungen. Während für die Bewohner der Nachbarhäuser die Hoffnung bestehe, dass sie in ihre Wohnungen zurückkehren könnten, habe für Hausgemeinschaft der Holstenstraße 195/197 eine langfristige Perspektive geschaffen werden müssen.
«Diese Lösung wurde nun gefunden: In der Chemnitzstraße, weniger als einen Kilometer Fußweg entfernt, steht ein Haus bereit, in dem die gesamte Hausgemeinschaft vorübergehend gemeinsam unterkommen kann», sagte Kloth. Parallel dazu würden Statiker die Lage in der Holstenstraße erneut bewerten und über weitere Maßnahmen entscheiden, etwa ob und wann die Nachbargebäude wieder genutzt werden können.