29. Oktober 2026 – dpa

DFB-Pokal

Jungtorwart wird beim Kieler Coup zum Pokalhelden

Holstein Kiel wirft die klassenhöheren Hoffenheimer im Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal. Ein 20-Jähriger spielt sich in den Mittelpunkt.

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Kieler Pokalheld: Torhüter Lio Rothenhagen.

Und plötzlich waren alle Kameras auf ihn gerichtet: Lio Rothenhagen, 20 Jahre jung, Pokalheld von Holstein Kiel. Im Zweitliga-Alltag steht der Jungprofi, der schon als 12-Jähriger zu den Kielern wechselte, als Torwart Nummer zwei hinter Timon Weiner. Am Mittwochabend kurz vor Mitternacht war er der gefeierte Profi des DFB-Pokalkrimis von Kiel.

Seine finale Parade im Elfmeterschießen (4:3) gegen den Bundesligisten und Europa-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim hatte der vor Leidenschaft und Energie strotzenden KSV Holstein den keineswegs unverdienten Achtelfinal-Einzug beschert.

Der in Eckernförde geborene U20-Nationalkeeper präsentierte sich beim Wechsel vom Schattendasein ins Rampenlicht derart unaufgeregt, als gelte es, das Image des typischen Schleswig-Holsteiners auch in der Stunde des Triumphs nachhaltig zu manifestieren. «Neben dem Platz bin ich eher ein ruhiger Typ. Im Spiel bin ich temperamentvoll, da gibt's Feuer», sagte der 1,88 Meter große Blondschopf - frisch dekoriert mit der Trophäe «Man of the Match».

Natürlich habe er, so der seit dem Sommer 2019 bei Holstein auflaufende Rothenhagen, mit Torwarttrainer Patrik Borger vorher die gegnerischen Schützen analysiert. Im entscheidenden Moment vertraute er seiner Intuition: «Ich habe mich einfach für eine Ecke entschieden - eine glückliche Wahl.» Ein «geiles Gefühl» habe er danach empfunden. Direkt vor der Westtribüne, der «Heimat» der Ultras, bei denen der Jubel keine Grenzen kannte. Jener Ort also, an dem schon im Januar 2021 im Pokalwettbewerb der FC Bayern im Elfmeterschießen an der Förde die Segel hatte streichen müssen.

«Man muss ehrlich sagen: ganz dicke Eier! Lio hat das herausragend gemacht», lobte Holstein-Trainer Tim Walter sein Talent zwischen den Pfosten. Er habe, so der 50-jährige Coach weiter, «zwei sehr, sehr gute Keeper. Dem einen gehört die Zukunft, Lio wird im Pokal immer spielen. Aber Timon bleibt unsere Nummer eins».

Dass die Störche trotz der Außenseiterrolle und des frühen Rückstandes durch Adam Hlozek (11. Minute) immer - speziell aber nach dem Ausgleich durch Adrian Kapralik (23.) - an ihre Chance geglaubt hatten, versicherte Torjäger Phil Harres. «Das haben wir ja schon im letzten Jahr mit den Pokalsiegen in Wolfsburg und beim HSV bewiesen», sagte der 24-Jährige.

Nach dem blamablen Liga-Auftritt Anfang Oktober beim 0:1 in Braunschweig schien das KSV-Team am Boden, das vorzeitige Dienst-Ende Walters drohte. Jetzt könnte nach dem ersten Punktspiel-Dreier der Saison am Wochenende (3:0 gegen Dresden) und dem Kür-Erfolg gegen Hoffenheim die englische Woche am Sonntag in Fürth gekrönt werden. «Schwere Beine zählen da nicht», stellte Harres klar.

Einen Wunschgegner für die Runde der letzten 16 Teams hatte der Angreifer nicht. Die Kieler werden die Auslosung einige Stunden nach der Fürth-Auswärtsmission (ab 19.15 Uhr/ARD) aufmerksam verfolgen.

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