24. August 2026 – dpa

Klimaschutz

Klimawandel im Norden - Wie Städte auf Stadtgrün setzen

Die schleswig-holsteinischen Städte Kiel, Lübeck und Norderstedt reagieren jeweils auf ihre Weise auf den Klimawandel. Eine besondere Rolle spielen dabei Bäume und Grünflächen.

36swevwhw2-v4-ax-s2048.jpeg
Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel misst der Sicherung und Weiterentwicklung des Stadtgrüns eine zentrale Bedeutung bei. (Symbolbild)

Stürme, Starkregen, Hitze und Trockenheit: Extremwetterereignisse sind auch eine Belastung für die Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Stadt Kiel verdorrt das Stadtgrün in langen Hitze- und Trockenperioden. Bei Starkregen lässt sich das meiste Wasser nicht nutzen, sondern es wird zur Gefahr. Das beeinflusst nicht nur die Natur in der Landeshauptstadt, sondern auch die Stadtplanung.

Der Sicherung und Weiterentwicklung des Stadtgrüns misst Kiel deshalb eine zentrale Bedeutung bei. Denn das Stadtgrün erfüllt vielfältige soziale, ökologische und klimatische Funktionen. Bäume, Grünflächen, Biotopflächen sowie Grün- und Parkanlagen kühlen die Stadt. Nach Angaben der Landeshauptstadt leisten sie zudem einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung und zur Wasserspeicherung. Zugleich können sie bei Starkregen helfen, Überflutungen abzufedern.

Doch zahlreiche Baumarten wie Esche, Ulme oder Kastanie leiden erheblich unter den Folgen des Klimawandels. Entweder fehle Wasser oder Pilze und Schädlinge gediehen bei höheren Temperaturen besonders gut, hieß es. Deshalb sucht die Stadt seit Jahren nach Baumarten, die das künftige Stadtklima besser vertragen.

Das zeigt sich auch in den Baumschulen im Land. Die Nachfrage nach Klima-Bäumen steige seit Jahren, sagte Frank Schoppa, Geschäftsführer des Landesverbands Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen.

Treiber sind nach seinen Worten nicht nur die Wetterfolgen des Klimawandels. Auch das Bewusstsein und die Wertschätzung für öffentliches Grün nehmen demnach zu. Deshalb setzt man etwa auf nicht heimische Baumarten und auf mehr Laubgehölze.

Die nicht heimischen Arten kommen aus Weltregionen, in denen bereits die Temperaturen herrschen, die der Klimawandel hier erwarten lässt. Dazu zählen etwa Asien, die Subtropen und Nordamerika. Zudem muss nach Schoppas Worten nicht nur das Stadtgrün, sondern auch der Wald schnell umgebaut werden, wenn er seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen behalten soll.

Die Stadt Kiel hat nach eigenen Angaben 2016 zusammen mit der Landwirtschaftskammer 100 Bäume gepflanzt. Sie werden auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel getestet. Belastbare Erkenntnisse über die Zukunftsfähigkeit dieser Baumarten liegen bislang allerdings nicht vor. Ein Straßenbaumkonzept soll Anfang 2027 fertig werden. Es soll auch Maßnahmen enthalten, die die Standorte für den Altbaumbestand verbessern.

Auch die Hansestadt Lübeck bereitet sich nach eigenen Angaben sowohl auf Hitzewellen als auch auf Starkregenereignisse vor. So werde etwa in Bezug auf die Hitze immer geprüft, inwiefern mehr Bäume zusätzliche Beschattung liefern können. Sei dies aufgrund des vorhandenen Platzes nicht möglich, könnten auch Sonnensegel oder Sonnenschirme aufgestellt werden.

Auf Starkregenereignisse könne sich die Stadt hingegen nur in neu anzulegenden Flächen effektiv vorbereiten. Ziel ist es laut der Hansestadt, das Regenwasser in der eigenen Fläche zu halten und versickern zu lassen. Das sei besonders wichtig, weil in langen Trockenphasen die kurzen, heftigen Schauer oft die einzige Wasserquelle für Pflanzen sind - und dieses Wasser soll ihnen erhalten bleiben.

Lübeck prüft grundsätzlich alle Grünflächen darauf, ob sich dort mehr Bäume sinnvoll pflanzen lassen. Diese Aufgabe hat nach Angaben der Stadt hohe Priorität. Ziel sei jedoch nicht, jede Grünfläche in einen Wald zu verwandeln, hieß es. Der parkartige Charakter solle erhalten bleiben.

Die Stadt Norderstedt im Kreis Segeberg setzt nach eigenen Angaben auf präventive Maßnahmen zum Klimaschutz. Diese umfassen etwa die Einrichtung von Arbeitsflächen, Grünzügen und Parkanlagen sowie die Einbeziehung von Biodiversitätsmaßnahmen. Ebenso werde möglichst eine Versiegelung vermieden und Entwässerung dezentral vorgenommen.

Gleichzeitig könnten die sandigen Böden vor Ort laut der Stadt nur begrenzt Wasser speichern. Dies sei auch eine der größten Herausforderungen für die Bäume. Dabei setzt Norderstedt auf heimische Arten - eine Zusammenarbeit mit Baumschulen gebe es aber nicht.

Weitere Nachrichten aus Hamburg & Schleswig-Holstein

Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

undefined
Audiothek