16. Juli 2026 – dpa
Lärmschutzwände so groß wie fünf Fußballfelder, 900 Millionen Euro Kosten – und Radfahrer bleiben außen vor. Was Autofahrer bis zur Freigabe erwartet.
Trotz des Brückenschlusses hoch über dem Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg werden Fahrzeuge frühestens gegen Ende des Jahres über die neue Rader Hochbrücke rollen. Zwar verbindet das Bauwerk nach dem Einsetzen des Mittelteils beide Kanalseiten, bis zur Verkehrsfreigabe ist aber noch etliches notwendig. «Die Arbeiten laufen weiter», sagte der Sprecher der bundeseigenen Projektmanagementgesellschaft Deges, Ulf Evert, der Deutschen Presse-Agentur.
Das 118 Meter lange und 1.250 Tonnen schwere Mittelteil war im Rendsburger Kanalhafen entstanden und dort am Dienstag auf einen Spezial-Ponton verladen worden. Von dort wurde das Mittelstück dann am Mittwochabend auf dem Wasser unter den bereits bestehenden Brückenenden auf beiden Kanalseiten in Stellung gebracht. In der Nacht wurde es mit Hilfe von Hydraulik-Pressen angehoben und am Morgen in rund 50 Metern Höhe eingesetzt.
Zuletzt mussten die Experten aber noch improvisieren. Kurz vor Schluss mussten Arbeiter noch Hand anlegen. Hintergrund seien erwartete hohe Temperaturen in den kommenden Tagen, sagte Evert. Weil Stahl sich bei Wärme ausdehne, hätten diese Druck auf das Mittelstück erzeugt. «Und aus dem Grund haben wir uns entschlossen, auf der Nordseite vom Mittelstück quasi eine Scheibe abzuschneiden, zu trennschleifen.» Um 9.52 Uhr war der Brückenschluss jedoch geschafft, der Kanal konnte danach wieder für die Schifffahrt freigegeben werden. «Das Stück hat gepasst», sagte Evert.
Nach Deges-Angaben soll die neue Brücke Ende des Jahres für den Verkehr in beiden Richtungen freigegeben werden. Ein genaues Datum nennt die Projektmanagementgesellschaft aber nicht. Rollt der Verkehr, soll der Abriss der alten Brücke starten und 2028 an gleicher Stelle der Bau der zweiten neuen Brücke beginnen. Gebaut wird bei laufendem Verkehr. Auf der ersten neuen Brücke stehen solange zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung. Kurzzeitige Verkehrseinschränkungen sind nach Deges-Angaben aber nicht zu vermeiden.
Zwar ist der Brückenschluss nun vollzogen. Auf der Südseite fehlen jedoch noch Betonteile. Danach kommt dann der Asphalt auf die Brücke. Außerdem müssen Geländer angebaut werden. Zudem werden auf insgesamt 6,9 Kilometern Lärm- und Windschutzwände errichtet. Es sind 26.000 Quadratmeter Lärmschutz geplant. Das entspricht der Fläche von mehr als fünf Fußballfeldern. Der Lärmschutz soll auch die Windströme auf der Fahrbahn verringern. Zudem erfolgt auf der gesamten Strecke zwischen der A7-Anschlussstelle Büdelsdorf nördlich des Kanals und dem Autobahnkreuz Rendsburg im Süden ein Ausbau auf drei Spuren je Fahrtrichtung.
Im Sommer 2013 hatten Experten bei einer Routineprüfung der aktuell genutzten Brücke starken Verschleiß an den Betonelementen festgestellt. Sachverständige bescheinigten eine Restnutzungsdauer nur noch bis Ende 2026. Über die von 1969 bis 1972 erbaute, knapp 1.500 Meter lange Brücke rollen laut Deges mittlerweile 54.000 Fahrzeuge am Tag. Für 2030 wird mit 61.900 Fahrzeugen gerechnet. Eine weitere Ertüchtigung wäre demnach keine langfristige Lösung gewesen.
Insgesamt nach bisheriger Schätzung knapp 900 Millionen Euro, davon 307 Millionen Euro für den im Bau befindlichen Brückenteil. Der Rest sind die Kosten für den dreistreifigen Ausbau der Strecke, den Abriss der alten Rader Hochbrücke und den Bau der zweiten neuen Brücke an gleicher Stelle. Sie soll 2031 fertig werden.
Projektleiter Martin Steinkühler sagt, «es ist eine Nutzungsdauer von 100 Jahren möglich. Wenn es in Schleswig-Holstein kein Erdbeben gibt». Er verweist auf Unterschiede in der Bauart. Während bei der alten Rader Hochbrücke 330 Kilogramm Stahl je Quadratmeter verbaut seien, komme die neue Brücke auf 550 Kilogramm je Quadratmeter. Zudem liege eine Betonplatte auf ihr. Die Unterschiede in der Bauart der Brücken sind vom Boden aus gut zu erkennen.
Radwege führen nicht über die neue Brücke. Neben den unverhältnismäßigen Kosten und technischen Vorkehrungen verweist die Deges dazu auf die Akzeptanz der Streckenführung. Denn Radfahrende müssten 50 Höhenmeter mit konstantem Anstieg hinter sich bringen. Außerdem fehlen Radstrecken, die sich anschließen und über die Brücken geführt werden könnten.