18. September 2026 – dpa
2. Fußball-Bundesliga
Der Saisonstart der KSV Holstein in der 2. Bundesliga ist daneben gegangen. Vor dem sechsten Spieltag stehen die Kieler auf dem letzten Platz. Die Verantwortlichen geben sich erstaunlich gelassen.
Drei Punkte, null Siege und erstmals seit dem 22. August 2021 Tabellenletzter: Das 0:1 in Heidenheim am vergangenen Sonntag markierte für die KSV Holstein einen Negativrekord. So schlecht standen die Kieler nach fünf Spieltagen seit ihrem Aufstieg 2017 noch nie in der 2. Fußball-Bundesliga da.
Noch geben sich die KSV-Verantwortlichen trotz des Fehlstarts mit dem Hinweis auf den frühen Saisonzeitpunkt vergleichsweise entspannt. «Fehler gehören dazu. Natürlich hätten wir gern mehr Punkte. Aber wenn wir drei Punkte mehr hätten, wären wir mit einmal mal Platz neun und des wäre nicht eine andere Situation», sagte Trainer Tim Walter. «Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist gut, die Jungs machen es wirklich gut.»
Bei aller Gelassenheit, Walter und Sportchef Olaf Rebbe wissen sehr wohl: Nur ein Heimsieg am Samstag (13.00 Uhr/Sky) gegen Aufsteiger VfL Osnabrück sorgt für die dringend erforderliche Ruhe in der folgenden Länderspielpause.
Er wisse, wenn die Spieler über diese Phase hinwegkommen, dass sie gestärkt daraus hervorgehen, sagte Walter. Er mahnte daher zur Geduld gerade mit den jungen Spielern. «Gerade diese nötige Resilienz trainierst du damit. Für mich ist es ein Fehler, keinen Fehler zu machen.»
Vor allem das Fehlen von einigen verletzten Routiniers machte sich in den vergangenen Wochen immer wieder bemerkbar. Kurz vor Beginn der Punktspiel-freien Zeit gibt es aber Hoffnung.
Offensiv-Allrounder Steven Skrzybski (33 Jahre) saß in Heidenheim schon wieder auf der Einwechselbank, Mittelstürmer Giorgi Kvilitaia (32) steht gegen den VfL Osnabrück bereit. Abwehrspieler Sebastian Schonlau (32) könnte bis zum Duell bei Eintracht Braunschweig am 9. Oktober wieder einsatzfähig sein.
Was die Ü30-Fraktion zumindest in der Theorie so wertvoll macht, zeigte sich in den zurückliegenden Wochen auf dem Platz: Der Mannschaft mangelte es bei den bislang drei Unentschieden und zwei Niederlagen an Führung, Kommunikation und Cleverness in wichtigen Momenten an allen Ecken und Kanten.
Walters bekannt mutige Philosophie mit ständigen Positionswechseln im Spielaufbau sorgte durchgängig für viel Ballbesitz, optische Dominanz und Anerkennung vom Gegner. Der Ertrag allerdings blieb aus. Nicht zuletzt deshalb, weil stetig wiederkehrende Individualschnitzer zu Gegentreffern oder wie in Heidenheim der Platzverweis für Jonas Therkelsen beim Stand von 0:0 in der 50. Minute zu einer veränderten Statik auf dem Rasen führten.
Bis auf das 2:0 im Pokal bei 1860 München stand bei den Kielern weder in den sechs Testspielen der Vorbereitung noch in der Liga auch nur einmal hinten die Null. Es ist das toxische Gemisch aus defensiver Anfälligkeit und zu geringer Effizienz in der Chancenverwertung, das die Kieler Resultate maßgeblich bestimmt. Immer wieder fordert Walter deshalb mit der «Konsequenz in beiden Strafräumen» das wichtigste aller Qualitätssiegel ein.
«Es geht einfach darum, weiter Gas zu geben und Spiele zu gewinnen», sagte Kapitän Jonas Meffert ganz im Sinne seines Trainers. Noch sei ja gar nichts passiert.
Während der 50-jährige Walter im Vertrauen auf das Können seiner Schützlinge auf die Prinzipien «Beharrlichkeit und harte Arbeit» setzt, sehen Kritiker im Status quo bereits ein alarmierendes Signal und stellen die Tauglichkeit des 31 Spieler umfassenden Kaders mit Akteuren aus zehn Nationen grundsätzlich infrage.
Tatsächlich kämpfte das Gros der aktuellen Stammformation schon in der Vorsaison bis zum vorletzten Spieltag um den Liga-Verbleib. Der Klassenerhalt wurde unter dem am 25. Februar für Marcel Rapp verpflichteten Walter letztlich vor allem aufgrund einer von Glück und Willenskraft geprägten Superserie von 16 Punkten in sechs Spielen erreicht.
Der Walter-Effekt ist vorerst verpufft, der Traum von der Eingespieltheit des Ensembles als Faustpfand gegenüber der Konkurrenz geplatzt. Saisonübergreifend warten die Störche seit sieben Begegnungen auf ein Drei-Punkte-Erfolgserlebnis. «Die Entwicklung des Teams ist gut», erklärt derweil Walter ungeachtet des Ergebnis-Frustes Woche für Woche.
Es habe mehrfach das Quäntchen Spielglück gefehlt, ergänzt Rebbe, der sich am vergangenen Sonntag vor den TV-Kameras erstmals mit einer in Zeiten des Sinkfluges üblichen Frage konfrontiert sah. «Der Trainer sitzt zu 100 Prozent fest im Sattel», stellte der 48-Jährige klar.
Das verbindende Motto der beiden Protagonisten lautet: Der Weg ist das Ziel. Am Samstag gegen den VfL Osnabrück gilt derweil der reine Pragmatismus: Das Ziel sind drei Punkte - unabhängig vom Weg.