24. Juni 2026 – dpa
Nach dem Aus für die Fregatten F126 warnt Hamburgs Wirtschaftssenatorin Leonhard vor Risiken durch die Konzentration von Marineaufträgen bei wenigen Werften.
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard hat sich überrascht gezeigt von der Entscheidung des Verteidigungsministeriums zum Aus der Fregatten des Typs 126. «Sie bringt weitreichenden Folgen für die Industrie mit sich», sagte die SPD-Politikerin. Gleichzeitig mahnte sie, Bauaufträge der Marine nicht nur bei einer Werftengruppe zu konzentrieren.
«Eine solche Konzentration birgt neue Risiken hinsichtlich Redundanz, Verlässlichkeit, Termintreue und industriellen Fertigkeiten in der Branche deutschlandweit», sagte Leonhard. Letztlich sei es im nationalen Interesse, für solche Aufgaben über mehrere starke Akteure zu verfügen, die in der Lage seien, Großvorhaben wie den Marineschiffbau für die Landes- und Bündnisverteidigung umzusetzen.
Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, betonte: «Wir haben immer vor einer Vergabe zentraler Aufträge ins Ausland gewarnt.» Jetzt seien der Bund, die Werften und alle Beteiligten gefordert, die Beschäftigung und Auslastung der Werftstandorte und Zulieferer im Norden nachhaltig zu sichern.
«An Arbeit mangelt es nicht», sagte Friedrich. Die Auftragsbücher in der maritimen Industrie seien voll. «Die Herausforderung besteht darin, die vorhandene Arbeit intelligent, verlässlich und gerecht auf die Standorte zu verteilen.» Beschäftigte, Werften und ganze Regionen dürften nicht die Leidtragenden falscher politischer Entscheidungen der Vergangenheit werden.
Das Verteidigungsministerium hatte zuvor mitgeteilt, das milliardenteure Rüstungsprojekt für sechs Fregatten des Typs F126 zu beenden. Damit werde auf erhebliche Verzögerungen sowie absehbare Kostensteigerungen und Risiken reagiert, teilte das Ministerium in Berlin mit.
Das zunächst als Generalunternehmer beauftragte niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) habe zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen nicht einhalten können, so das Ministerium. Die erste Fregatte mit einer sogenannten Anfangsbefähigung hätte Mitte 2028 geliefert werden sollen, die folgenden Schiffe bis 2033.
Das Fregattenprojekt war spätestens im vergangenen Jahr schwer ins Stocken geraten. Zunächst hatten sich die Kosten des im Jahr 2020 gestarteten Projektes für sechs F126-Fregatten auf insgesamt rund 10 Milliarden Euro belaufen sollen. Inzwischen sind Kosten von rund 2,3 Milliarden Euro entstanden. Nun wurde laut Ministerium für den Fall einer Fortführung des Projektes unter anderem Dach festgestellt, dass der Gesamtfinanzbedarf dann auf mehr als 18 Milliarden Euro ansteigen würde.