17. August 2026 – dpa

Vorbereitung auf Wahlkampf

«Aktionsbündnis Ländliche Räume» gegründet

Schleswig-Holstein ist ländlich geprägt. Die Politik müsse das berücksichtigen, fordert ein neues Bündnis mit Blick auf die Landtagswahl. Bauernpräsident Lucht warnt vor radikalen Parteien.

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Scharfe Kritik vom Bauernpräsidenten Lucht an Umweltminister Goldschmidt. (Archivbild)

Der Bauernverband Schleswig-Holstein hat mit dem Unternehmensverband UV Nord und weiteren Partnern das «Aktionsbündnis Ländliche Räume» gegründet. Die Akteure wollen acht Monate vor der Landtagswahl im nächsten April den Blick auf die Anliegen von Land- und Forstwirtschaft sowie des ländlichen Raums lenken.

«Wer über die Zukunft Schleswig-Holsteins spricht, darf die ländlichen Räume nicht als Nebenschauplatz betrachten», sagte der Hauptgeschäftsführer von UV Nord, Michael Thomas Fröhlich. Er äußerte sich enttäuscht über weite Teile der Politik und mahnte, die Anliegen der Menschen müssten ernst genommen werden.

Bauernpräsident Klaus-Peter Lucht kritisierte das Umweltministerium von Tobias Goldschmidt (Grüne) scharf. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) bemühe sich sehr, etwas für die Landwirtschaft umzusetzen, aber sehr viel Agrarpolitik werde im Umweltbereich gemacht, sagte Lucht.

«Mit dem grünen Koalitionspartner (...) sind wir auch nicht einverstanden», sagte Lucht, selbst CDU-Mitglied. Er warf den Grünen eine Verweigerungshaltung gegenüber dem ländlichen Raum und der modernen Landwirtschaft vor.

Goldschmidt mauere zum Beispiel bei dem Problem der großen Gänsepopulationen, die Landwirtschaft und Tourismus etwa auf den Inseln bremsen. Sein Wunsch sei, künftig die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt wieder zusammenzuführen, sagte Lucht. «Zurzeit haben wir den Eindruck, beide arbeiten nur gegeneinander und nicht miteinander.»

Die Bauern in Schleswig-Holstein müssten sich zum Beispiel aus dem Ministerium anhören, die Knicks seien in einem katastrophalen Zustand. «Das Einzige, was in einem katastrophalen Zustand ist, ist das Umweltministerium», wetterte Lucht. Dort werde Ordnungspolitik und Bürokratie Vorrang eingeräumt.

Aus Sicht der Landwirtschaft sei es nicht richtig gewesen, mit den Grünen zu koalieren, sagte der Präsident des Bauernverbands in Richtung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der seit 2022 eine Koalitionsregierung von CDU und Grünen führt.

Weitere Mitglieder des Aktionsbündnisses sind der Landesverband der Lohnunternehmer in Land- und Forstwirtschaft, die Familienbetriebe Land und Forst, der Landfrauenverband, der Waldbesitzerverband und der Landjugendverband.

Lucht warnte trotz aller Unzufriedenheit davor, Parteien wie der AfD zu wählen. «Tut das nicht, weil das ein großer Fehler ist.» Er sei auf einem Bauerntag im Kreis Segeberg von AfD-Kreistagsabgeordneten angesprochen worden. «Ich habe die gefragt, sind Sie für ein freiheitliches Europa, sind Sie für den gemeinsamen Binnenmarkt, sind Sie für den Euro, sind Sie dafür, dass die Russen die Waffen niederlegen gegen die Ukraine? Und wenn Sie das alle mit Ja beantworten, können vielleicht mal reden», sagte Lucht. Das hätten beide nicht gekonnt, und damit sei das Gespräch beendet gewesen. «Ich kann nur jedem raten, diese Partei nicht zu wählen», sagte der Bauernpräsident.

Bei vielen AfD-Wählern gehe es nicht um Überzeugung, sondern um Frust. Grundproblem sei, dass die etablierten Parteien die Menschen nicht mitnähmen und nicht überzeugten. «Deswegen das "Aktionsbündnis für den Ländlichen Raum". Wir wollen das gerne mit beeinflussen zu Wohle der Demokratie», sagte Lucht.

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