07. Juli 2026 – dpa

Mordprozess

«Entsorgt wie Müll» - Polizistin emotional im Fabian-Prozess

Wie belastend der Fund des getöteten achtjährigen Fabian war, schildert eine Polizistin vor Gericht. Demnach wirkte die Angeklagte damals kaum angefasst. Das Verhältnis zum Vater war erneut Thema.

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Zahlreiche Zeugen werden im Rahmen der Beweisaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian gehört. (Archivbild)

Als Schocksituation hat eine Polizistin den Fund der Leiche des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow bezeichnet. Bei ihrer Aussage am 18. Verhandlungstag des Mordprozesses am Landgericht Rostock kamen ihr kurzzeitig die Tränen. Sie stockte und musste ihre Aussage unterbrechen. Der Fund der Leiche mit deutlichen schwersten Verletzungen sei sehr belastend gewesen. «Er wurde entsorgt wie Müll», das sei ihr Eindruck gewesen. «Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss.» Sie habe sich im Anschluss Hilfe geholt.

Nachdem Fabian seit dem 10. Oktober als vermisst gegolten hatte, meldete eine Frau am 14. Oktober den Fund der Leiche an einem Tümpel südwestlich von Güstrow. Inzwischen steht sie wegen Mordverdachts vor Gericht.

Die inzwischen 30-Jährige habe vor Ort nicht tief emotional erschüttert gewirkt, sagte die Polizistin. Sie sei sehr kooperativ und auch «redselig» gewesen. Ohne große Nachfragen habe sie von sich aus geschildert, dass sie die Leiche gefunden habe, als sie mit einer Freundin einen Spaziergang gemacht habe und ihrem Hund nachgegangen sei. Demnach erklärte sie auch frühzeitig, dass deshalb Spuren von ihr am Fundort seien.

Was die Angeklagte sagte, war laut der Polizistin «sehr klar und deutlich formuliert». Auf sie habe es zurechtgelegt gewirkt. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, Holger Schütt, ob Momente tiefer emotionaler Erschütterung der Angeklagten erkennbar waren, sagte die Polizistin: «Nein.» Das habe sie nicht wahrgenommen. Die Angeklagte habe von sich aus nach einem Seelsorger gefragt. Auf die Polizistin habe es gewirkt, als habe sie damit ihre fehlende Emotionalität kompensieren wollen.

Der Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, den Jungen am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam später in Brand gesetzt zu haben. Das Motiv soll demnach mit der Beziehung zu Fabians Vater zusammenhängen, die dieser im August beendet hatte.

Sie schweigt vor Gericht bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidigung im August äußern. Als Termin wurde dafür inzwischen der 24. August eingeplant.

Am 18. Verhandlungstag schilderte eine weitere Polizistin auch das erste Zusammentreffen mit Fabians Vater nach Bekanntwerden des Leichenfundes. Er sei am 14. Oktober vor dem Haus der Familie der inzwischen Angeklagten aufgetaucht und habe unter anderem gesagt, er würde ihr «alles zutrauen». Dabei sei Fabians Vater sichtlich emotional und angetrunken gewesen. Die Polizei sei am Tag des Leichenfunds im Rahmen der Ermittlungen zum Haus gefahren, in dem die Frau lebte.

Trotz der Trennung war sie zu dem Zeitpunkt weiterhin ständig mit Fabians Vater in Kontakt, wie Handyauswertungen zeigen. Demnach hatte sie dem Vater nach der Meldung des Leichenfunds am 14. Oktober geschrieben, sie könne sich erst einmal nicht mehr melden. Die Polizei nahm ihr damals zeitweise das Handy ab.

Obwohl Fabian seit Tagen vermisst wurde, informierte sie demnach den Vater nicht über den Fund der Leiche. Auch, dass sie, wie von Zeugen geschildert, schon am Vortag am Fundort war, sagte sie Fabians Vater den Auswertungen zufolge nicht. Stattdessen beschwerte sie sich über seinen Kontakt mit anderen Frauen.

Die Polizistin sagte, Fabians Vater habe sich verwundert gezeigt über die Präsenz der Polizei am Wohnort seiner Ex-Freundin und über deren Nachrichten an dem Tag. Er habe der Beamtin von einem schwierigen Verhältnis berichtet. So habe seine Ex-Freundin ihm vorgeworfen, dass er nach dem Verschwinden des Kindes keine Hilfe von ihr angenommen habe. Auch habe er gesagt, es habe in der Vergangenheit Ärger wegen Fabian gegeben. Fabians Vater sei sehr ungehalten, aber auch in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen.

Vor Gericht hatte Fabians Vater gesagt, er glaube an die Unschuld der Angeklagten. Auch seien beide inzwischen wieder ein Paar.

In abgespielten Sprachnachrichten der Angeklagten wurde erneut die Eifersucht auf Fabians Vater deutlich, aber auch eine finanzielle Abhängigkeit von ihm. So sagte sie ihm, er wisse ganz genau, wie er sie erpressen könne. Wenn sie kein Geld von ihm bekomme, könne sie Rechnungen nicht zahlen, kein Pferdefutter kaufen und nicht mit dem Auto fahren. Die Staatsanwaltschaft hatte in der Anklage auch auf die finanziellen Folgen der Trennung verwiesen.

Eine dritte Polizistin sagte zudem aus, dass Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, wie sich die Angeklagte frei auf dem Grundstück eines befreundeten Nachbars bewegte. Demnach ging sie selbstständig in dem Haus, aber auch einem Schuppen ein und aus, unter anderem auch mit Werkzeug.

Bis heute gibt es keine bewiesene Tatwaffe. Zu einem Messer des entsprechenden Bekannten hatte ein Polizist vor Gericht aber ausgesagt, es könnte der Bauart nach die Tatwaffe sein. Der Bekannte vermisste das Messer zeitweise, wie Handyauswertungen ergaben. Demnach tauchte es aber wieder auf. An dem Messer wurden aber keine DNA- oder Blutspuren nachgewiesen, die auf die Tat hinweisen. Allerdings wurden auch keine Fingerabdrücke des Nachbarn auf dem Messer gefunden, die nach dessen Aussage aber vorhanden hätten sein müssten. Der Polizist hatte aber auch ausgesagt, dass der Nachbar dieses Messer nach eigener Aussage praktisch täglich nutze. Wäre Fabian damit umgebracht worden, hätte er es demnach eigentlich früher vermissen müssen. Laut jüngster Aussage der Polizistin war sich die Angeklagte der Kamera auf dem Grundstück des Bekannten bewusst. Sie habe ihr beispielsweise zugelächelt und ihr zugewunken.

Der nächste Verhandlungstag ist für Donnerstag angesetzt. Danach soll eine Sommerpause eingelegt werden, bevor es Anfang August weitergeht.

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