15. Juli 2026 – dpa
Ein Brand auf munitionsbelastetem Gelände hält Einsatzkräfte auf Trab – und zwingt einen Kanuverleiher ins «Sparprogramm». Der Landkreis bittet auch Landwirte um Hilfe - jedenfalls indirekt.
Die vom Feuer im Müritz-Nationalpark betroffene Fläche wächst weiter. Am Nachmittag gab der Landkreis die Fläche mit mehr als 160 Hektar an, die brennen oder gebrannt haben. 330 Einsatzkräfte seien vor Ort. Die am Dienstagabend angeordnete Evakuierung des Ortes Granzin bleibe bestehen. Eine Riegelstellung um den Ort Speck werde ausgebaut.
Zudem bat der Landkreis Landwirte dabei zu helfen, Einsatzkräfte zu entlasten. Sie sollten etwa beim Ernten Eggen und Wassertanks bereithalten, um entstehende Brände zügig eigenständig bekämpfen zu können. «Das nimmt weiteren Druck von den Einsatzkräften im Landkreis.» In den zurückliegenden Tagen hatte es wiederholt auf Feldern im Norden gebrannt.
Der Schweriner Umweltminister Till Backhaus (SPD) will unterdessen am Donnerstag in die betroffene Region fahren. Für den Vormittag ist eine Pressekonferenz vor Ort geplant.
Laut Landesforst gilt im betroffenen Bereich die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe. Für das Forstamt Mirow gilt demnach hohe Gefahr. Das gilt auch im Südwesten von MV für das Forstamt Jasnitz.
Gemeldet wurde der jüngste Brand am Montag. Seitdem läuft der Einsatz. Am Morgen gab der Landkreis nun bekannt, dass bundesweit eine Anfrage nach weiteren Kreisregnern gestellt worden sei. Diese Art Wassersprenger wird zur Bewässerung genutzt, um das Feuer einzudämmen. Dafür werden im Rahmen sogenannter Riegelstellungen Streifen bewässert, um das Feuer dort aufzuhalten. Da ein stark munitionsbelasteter ehemaliger Truppenübungsplatz betroffen ist, kann die Feuerwehr nicht direkt an den Brand heran.
Ein Landkreissprecher hatte am Dienstagabend gesagt, er gehe davon aus, dass der Einsatz noch Tage dauern werde. Erst Ende Juni war ein Brand auf einem anderen, aber nahe gelegenen Truppenübungsplatz im Nationalpark ausgebrochen. Mehr als 100 Hektar waren betroffen. Der dortige Einsatz dauerte ebenfalls mehrere Tage. Auch dabei handelte es sich um munitionsbelastetes Gelände.
Der jüngste Brand im Müritz-Nationalpark stellt den einen oder anderen Wassersportler unterdessen vor Herausforderungen. Ingo Hecht, der in Kratzeburg eine Kanuvermietung betreibt, hat nach eigener Aussage teils Schwierigkeiten, Ausflügler mit ihren Booten zurückzuholen. Bestimmte Wasserwege könnten nicht befahren werden, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch an Land seien Wege gesperrt, über die Kunden normalerweise samt ihrer Boote nach Touren zurückgefahren würden.
Einige Kunden seien schon mehrere Tage unterwegs, hätten wohl ihre Handys ausgeschaltet und vom Brand gegebenenfalls zunächst gar nichts mitbekommen. Man schaue nun, wie man sie wieder zurückhole.
Generell laufe in seinem Verleih «Sparprogramm». Die Hälfte der Belegschaft helfe ohnehin bei der Brandbekämpfung etwa als Teil der Freiwilligen Feuerwehr. Aktuell könnten Kunden nur eine deutlich kleinere Strecke fahren. Die Nachfrage sei geringer als sonst. Es sei das erste Mal, dass ein Brand den Kanuverleih derartig einschränke.
Andernorts an der Seenplatte wirkt sich das Feuer hingegen nicht aus. So sei etwa der östliche Teil des Nationalparks nicht betroffen, sagte eine Sprecherin des Tourismusverbands Mecklenburgische Seenplatte. «Es gibt dann eben auch noch die anderen Gebiete südlich davon, wo auch weiterhin uneingeschränkt touristische Aktivitäten stattfinden können.» In Mirow etwa bekomme man nichts von dem Feuer mit. Das gelte auch für andere Urlaubsorte an der Seenplatte. Generell sei nur ein kleiner Teil des Nationalparks betroffen.
Einschränkungen gebe es allerdings für einen Radfernweg: «Der Berlin-Kopenhagen-Radweg zum Beispiel ist aktuell nicht befahrbar durch den Nationalpark.» Es gebe aber eine Ausweichstrecke. «Der Berlin-Kopenhagen-Radweg führt jetzt auf einer anderen Route von Neustrelitz nach Waren.»