08. Oktober 2026 – dpa

Störche

Erfolgreiches Storchenjahr 2026 mit West-Ost-Gefälle in MV

In den Storchennestern gab es mehr Geklapper als im vergangenen Jahr. Woran das liegt und warum MV - anders als andere deutsche Regionen - kein Überwinterungsgebiet für Adebar ist.

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Nicht zu trockenes Wetter sorgte für genügend Futter und damit für Aufzuchterfolge bei den Störchen in MV. (Archivbild)

Adebar ist es dieses Jahr in Mecklenburg-Vorpommern gut ergangen. Das berichtet der Vorsitzende der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des Naturschutzbundes Nabu, Stefan Kroll. Der Bruterfolg sei besser gewesen als 2025, das als ein schwaches Storchenjahr galt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dabei zeichne sich ein West-Ost-Gefälle ab.

Die genauen Zahlen werden demnach gerade zusammengetragen. Sie sollen beim Landesstorchentag im November vorgestellt werden.

In den westlichen Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim haben die Brutpaare nach Krolls Worten im Schnitt mehr als zwei Jungtiere aufgezogen. «Das sind sehr gute Ergebnisse», sagte Kroll. Im Osten des Landes sei es etwas weniger. Im Land insgesamt gehe er deshalb von einem Wert unter zwei aus. «Da bin ich ziemlich sicher.»

Der unterschiedliche Bruterfolg hänge mit dem Wetter zusammen, erklärte der Storchenschützer. Im Westteil des Landes habe es im Frühjahr mehr Regen gegeben als im Osten. Dadurch sei das Futterangebot besser gewesen. Glücklicherweise seien Starkregenereignisse weitgehend ausgeblieben - sie können für kleine Störche im Nest tödlich sein, vor allem, wenn der Regen mehrere Tage anhält.

Ende August sind die Störche aus MV Kroll zufolge auf die Reise in ihre Winterquartiere gegangen. Während in einigen Regionen Deutschlands, etwa in Hessen, zahlreiche Störche in der Nähe von Deponien mit regelmäßiger Anlieferung von Biomüll überwinterten, finde so etwas in Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht statt. «Es gibt nur ganz vereinzelt Tiere, die bei uns in der Nähe von Tierparks bleiben, weil sie wissen, dass sie dort eine ganzjährige Futterquelle haben.»

Wie unwiderstehlich Deponien für Störche sind, haben Storchenbetreuer dieses Jahr auch in MV beobachten können. «Auf der Deponie Rosenow in der Landesmitte gab es in diesem Sommer einen mehrwöchigen Streik. Dadurch wurden die angelieferten Abfälle nicht wie sonst abgedeckt», sagte Kroll. «Das zog zeitweise etwa 100 Störche an.»

Die meisten Störche aus MV ziehen nach Krolls Worten über die sogenannte Ostroute über den Balkan und den Nahen Osten zum Überwintern nach Ostafrika. Dort warteten aktuell jedoch schlechte Bedingungen, sagte er. Wohl infolge von El Niño sei es in den Überwinterungsgebieten viel trockener als in den vergangenen Jahren und damit sei das Nahrungsangebot knapper. «Es kann also sein, dass nächstes Frühjahr weniger Störche zurückkommen.» Vielleicht gelinge es ihnen aber auch, in ergiebigere Regionen auszuweichen.

Im vergangenen Jahr zogen der Arbeitsgruppe zufolge 739 Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern 1.168 Jungstörche auf. Es galt als schlechtes Storchenjahr wegen einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit. In diesem Jahr gehe er von mehr Storchenpaaren aus, sagte Kroll. Auch der Bruterfolg sei besser gewesen.

Meister Adebar ist bundesweit im Aufwind: In Deutschland ging der Nabu im Sommer von 15.000 Weißstorch-Brutpaaren aus - so vielen wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. «Selbst vor 100 Jahren gab es nicht so viele Störche», sagte Bernd Petri von der Nabu-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch. «Im Gegensatz zu vielen anderen Arten haben wir beim Storch jetzt einen guten Erhaltungszustand.»

Das sah in den 1980er Jahren noch anders aus. Damals habe es in den beiden deutschen Staaten weniger als 3.000 Brutpaare gegeben, führte der Nabu aus. In vielen Regionen seien Störche komplett verschwunden gewesen.

Als Gründe werden Nahrungsmangel durch eine intensivierte Landwirtschaft, die Trockenlegung von Mooren und Gefahren auf den Zugwegen der Tiere genannt. Naturschutzmaßnahmen wie die Wiedervernässung von Mooren und Grünlandbewirtschaftung, die auf den Weißstorch abgestimmt sei, hätten die Wende gebracht.

Aber auch die Störche passten sich an. Immer mehr haben ihren Zug im Herbst stark verkürzt - und ihre Überlebensrate so erhöht. Immer mehr Störche sind laut Nabu sogenannte Westzieher, die im Winter oft nur noch bis Spanien fliegen.

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