18. September 2026 – dpa
Der Wahlkampf ist fast zu Ende. Am Sonntag hat in Mecklenburg-Vorpommern der Wähler das letzte Wort. SPD und AfD liegen in Umfragen eng beieinander. Einige Parteien müssen um den Einzug zittern.
Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich in einer Umfrage ein überraschend enges Rennen zwischen SPD und AfD ab. Erstmals lag die SPD dabei mit einem Prozentpunkt vor der AfD. «Das ist Motivation, aber noch kein Ergebnis. Die Lage ist nach wie vor sehr ernst in MV», sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rostock-Warnemünde. Die Wahl sei noch nicht entschieden.
Laut ZDF-«Politbarometer» liegt die SPD bei 37 Prozent, die AfD bei 36. Die Linke erreicht in der Umfrage 9 Prozent, die Union 6, die Grünen 5, das BSW 4 Prozent. Die FDP liegt unter 3 Prozent. Nach diesen Werten könnte es für die regierende rot-rote Koalition ohne die Grünen knapp werden.
Schwesig betonte, die AfD habe realistische Chancen, an die Macht zu kommen und den Ministerpräsidenten zu stellen. «Im Zweifel mit ihren Freunden von dem BSW, und auch in CDU diskutiert der ein oder andere», so Schwesig weiter. Das müsse verhindert werden.
Die SPD werde die nächste 48 Stunden weiter um jede Stimme kämpfen. «Was sind das für krasse Wochen, was für eine Aufholjagd, was für ein Wahlkampf», so Schwesig, die in Warnemünde von vier SPD-Ministerpräsidenten auf der Bühne unterstützt wurde.
Kritik an Schwesig kam von den Grünen. Mit ihrer Darstellung, nur sie allein könne die AfD verhindern, riskiere Schwesig «den Sieg der demokratischen Kräfte für einen kurzen Jubelmoment», sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner der «Bild». «Sie scheint nicht zu begreifen, dass es eine Langstrecke ist, die AfD-Ergebnisse wieder zu schmälern.»
Auch CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters übte Kritik an Schwesig. Ihre Strategie ziele auf eine Spaltung der Gesellschaft ab, womit die AfD gestärkt werde, sagte Peters der dpa.
Schwesig wies die Kritik zurück. Dem Nachrichtensender Welt TV sagte sie mit Blick auf die Union: «Bei allem Respekt: Die CDU muss schon ihr Wahlergebnis selbst verantworten und sich selber fragen, warum sie so schwach dasteht.»
Schwesig forderte Merz auf, schnell für eine Senkung der Spritpreise zu sorgen. «Da muss der Kanzler handeln. Da kann er heute mal ein Zeichen setzen, dass er an der Seite der Leute steht», sagte sie Welt TV. «Und ich glaube, das würde dann auch wieder vor Ort Zustimmung bringen.»
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno von der Universität Rostock sieht in dem Zustimmungszuwachs für die SPD in der Umfrage auch eine Gefahr. «Es gibt immer noch 20 Prozent Unentschlossene», warnte er. Für die SPD bestehe jetzt die Gefahr, dass sich ihre potenziellen Wähler in Sicherheit wiegen und am Sonntag nicht zur Wahl gehen könnten. Das gelte im Übrigen auch für die kleineren Parteien.
Die AfD würde nach den Worten von Spitzenkandidat Enrico Schult auch in einer Koalition regieren, falls sie keine eigene Mehrheit erreicht. «Natürlich wollen wir regieren», sagte Schult im ZDF-«Morgenmagazin». «Wir strecken allen Parteien die Hand aus, die es gut mit diesem Land meinen.» Ein Koalitionspartner für die AfD ist aber nicht in Sicht.
Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Dietmar Bartsch, führte die jüngsten Umfrageergebnisse wesentlich auf Schwesig zurück. «Manuela Schwesig hat es geschafft zu polarisieren», sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur in Rostock. Sie habe die entscheidenden Fragen gestellt und mit dem Slogan «Die Frau gegen Blau» ein zentrales Statement abgegeben.
CDU-Spitzenmann Peters zeigte sich trotz der laut «Politbarometer» nur noch 6 Prozent für seine Partei - die das bundesweit schlechteste CDU-Ergebnis bei einer Landtagswahl wären - optimistisch: «Ich glaube, wir werden besser dastehen, als die Umfragen es vorhersehen, und deswegen kämpfen wir jetzt auch weiter bis zum Schluss», sagte er beim Haustürwahlkampf in Schwerin.