08. Juli 2026 – dpa

Kreislaufwirtschaft

Stavenhagen heizt jetzt mit Wärme aus Klärschlamm

Was bei der Abwasserreinigung anfällt, sorgt in Stavenhagen nun für warme Häuser. Die dortige Klärschlammverbrennungsanlage ist einzigartig in MV und auch aus einem weiteren Grund wichtig.

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Per Lkw wird der Klärschlamm angeliefert. (Archivbild)

Mit Schlamm, der bei der Abwasserreinigung anfällt, Häuser beheizen – das ist nun in Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Realität. Dort wurde offiziell die Fernwärmeauskopplung aus der dortigen Klärschlammverbrennungsanlage in Betrieb genommen, wie das Schweriner Umweltministerium mitteilte. «Künftig fließt Abwärme aus der thermischen Verwertung von Klärschlamm in das Wärmenetz der Stadt», so das Ministerium. Die daraus gewonnene Wärmeenergie ermögliche eine klimafreundliche Versorgung von Haushalten und öffentlichen Einrichtungen.

«Das ist gelebte Kreislaufwirtschaft», lobte Minister Till Backhaus (SPD). Aus dem, was entsorgt und aufbereitet werde, «entstehen neue Rohstoffe, Energie und ein direkter Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger», sagte er.

Die vom Unternehmen EEW errichtete Klärschlammverbrennungsanlage ist die einzige ihrer Größenordnung in MV. Ihre Kapazität reicht nach Unternehmensangaben, um den kompletten Klärschlamm Mecklenburg-Vorpommerns zu verwerten.

Derartige Anlagen stehen für einen neuen Umgang mit der schwarzen Masse, die zwar nicht gut riecht, aber wertvoll ist. Sie enthält Phosphor – laut Bundesumweltministerium einer der wichtigsten Nährstoffe für jedes Leben und 2014 von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft. Er kann demnach nicht durch andere Stoffe ersetzt werden, wird von der Düngemittelindustrie verwendet und ist daher wichtig für die Lebensmittelproduktion.

Der Phosphor soll in Zukunft aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. Wegen seiner Belastung etwa mit Medikamenten wird der Schlamm in Zukunft dagegen nicht mehr als Dünger auf Äcker gekippt. Die Pflicht zur Phosphor-Rückgewinnung greift ab 2029 zunächst für Klärschlamm aus Kläranlagen einer bestimmten Größe, wie ein EEW-Sprecher erklärte. Später gelte sie auch für kleinere Anlagen.

Die Anlage in Stavenhagen produziere bereits phosphathaltige Asche. Eine Düngemittel-Produktion daraus in industriellem Maßstab erfolge aber noch nicht. Entsprechende Anlagen seien in Vorbereitung.

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