08. Juli 2026 – dpa

Appell

Ehec, Arbeitsschutz und Elterngeld - die Aufgaben des Lagus

Das Lagus ist eine große Behörde, deren Arbeit nahezu jeden im Land betrifft. Im Jahresbericht des Landesamtes tauchen Klinikclowns auf, ebenso wie der Ehec-Ausbruch des vergangenen Jahres.

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2025 war nach Aussage der Sozialministerin von MV ein Rekordjahr für das Lagus.

Die Arbeit des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) betrifft fast alle Menschen im Land - ob Elterngeldbezieher, Badegäste oder Menschen im Gesundheitswesen. Zudem verwaltet es viel Geld. Das vergangene Jahr markierte das 20-jährige Bestehen der Behörde. Der nun vorgestellte Jahresbericht gibt Einblick in die Arbeit des Landesamtes.

Die Behörde gliedert sich entsprechend ihrer Aufgaben in vier Abteilungen: Förderangelegenheiten, Gesundheit, Soziales, sowie Arbeitsschutz. Hinzu kommt die Zentralabteilung mit Heiko Will als Lagus-Direktor.

Die Abteilung Förderangelegenheiten setzte laut Jahresbericht mehr als 170 Förderprogramme um. Sie bewilligt Mittel und betreut Anerkennungs- und Genehmigungsverfahren. 2025 seien mehr als 7.200 Projekte geprüft und über 4.300 neue Förderungen mit einem Gesamtvolumen von rund 775 Millionen Euro bewilligt worden. Dabei gehe es etwa um den Abbau sozialer Benachteiligungen, die Integrationsförderung oder die Stärkung der Gesundheitsförderung.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) verwies etwa auf den Ausbau von Kinder- und Familienzentren mit EU-Geld, die Familien in belasteten Lebenslagen unterstützen. Im Jahresbericht tauchen auch Klinikclowns-Vereine auf. Sie seien in den Kliniken des Landes unterwegs, etwa im Kinder-, Jugend- und Palliativbereich sowie in Senioren- und Pflegeheimen. Mit ihren knapp 700 Auftritten im Jahr brächten sie ein Lächeln auf die Gesichter etwa erkrankter Kinder.

In den Bereich Gesundheit fallen etwa die Überwachung der Bade- und Trinkwasserqualität, der Krankenhaushygiene oder auch die Überwachung bestimmter Erkrankungen.

Im vergangenen Jahr hatte es das Lagus ab August mit einer ungewöhnlichen Welle von Ehec-Infektionen zu tun, in deren Verlauf ungewöhnlich viele Menschen schwer am sogenannten Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) erkrankten. Zu Beginn betraf das Geschehen vor allem Urlauberinnen und Urlauber, weitete sich jedoch im Verlauf zu einem bundeslandübergreifenden Ausbruch mit regionalem Schwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen aus. Das Landeslabor führte laut Bericht mehr als 500 Untersuchungen durch.

Im Verlauf wurde im Zusammenhang mit dem Ausbruch ein vergleichsweise seltener Subtyp identifiziert. Insgesamt wurden dem Ausbruch laut Lagus-Bericht bundesweit 476 mögliche Fälle zugeordnet. Davon konnten demnach 199 bestätigt werden. Insgesamt seien drei Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit dem Ausbruch gemeldet worden, darunter zwei ältere Frauen sowie ein siebenjähriger Junge. Eine genaue Infektionsquelle konnten die Behörden trotz intensiver Suche bis heute nicht feststellen. Das Robert Koch-Institut (RKI) befragte Erkrankte ausführlich, dabei ergaben sich Hinweise auf den Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren. Eine eindeutige Zuordnung war aber nicht möglich.

Auch mit Entschädigungen für Verdienstausfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie war das Lagus auch 2025 noch beschäftigt. Außerdem seien im vergangenen Jahr 882 Approbationen und 292 Berufserlaubnisse in akademischen Heilberufen erteilt worden.

Im Bereich Arbeitsschutz fanden den Angaben zufolge 2.262 Vor-Ort-Kontrollen in Betrieben statt. Hinzu kamen demnach rund 1.000 Baustellen-Überprüfungen. 2025 erreichten das Lagus nach eigenen Angaben insgesamt 70 Mitteilungen über besonders schwere und tödliche Unfallereignisse, von denen 23 umgehend vor Ort untersucht wurden.

Zudem bereitete sich das Lagus 2025 auf die erneute Übernahme der Aufgaben des Landesjugendamtes ab Anfang dieses Jahres vor. Drese sprach von einer Bündelung fachlicher Expertise. Früheren Angaben zufolge ist damit die Aufsicht von über 700 stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in MV verbunden. 2012 war das Landesjugendamt vom Lagus an den Kommunalen Sozialverband MV übergeben worden.

Drese ermutigte erneut Arbeitgeber dazu, Menschen mit Handicap zu beschäftigen. «Etwa die Hälfte aller Unternehmen zahlt eine Ausgleichsabgabe, statt Menschen mit Behinderungen eine berufliche Chance zu geben», wurde sie zitiert.

Den Zahlen zufolge lebten Ende 2025 etwa 408.000 Menschen mit Behinderung in Mecklenburg-Vorpommern. Das seien 13.000 mehr als ein Jahr zuvor. Etwa 237.500 Menschen galten demnach als schwerbehindert (ein Plus von 7.000 im Vergleich zum Vorjahr). Als schwerbehindert gelten Menschen, denen ein Grad der Behinderung von 50 und mehr von den Versorgungsämtern zuerkannt wurde.

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, schwerbehinderte Menschen einzustellen, wenn sie 20 oder mehr Menschen beschäftigen. Tun sie dies nicht oder erfüllen diese Beschäftigungspflicht nur teilweise, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Das Inklusionsamt im Lagus hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Zuschüsse in Höhe von 13,7 Millionen Euro an Arbeitgeber im Land bewilligt zur Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für schwerbehinderte Menschen, zur Einrichtung behindertengerechter Arbeitsplätze sowie für außergewöhnliche Belastungen bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.

Das Lagus ist mit zuletzt rund 530 Beschäftigten eine der größten Landesbehörden und ein Art «verlängerte Werkbank» der Landesregierung. Der größte der sechs Standorte ist Rostock. Weitere Standorte sind Schwerin, Stralsund, Neubrandenburg, Greifswald und Neustrelitz.

Laut Drese war 2025 ein Rekordjahr für die Behörde. Demnach lagen die Ausgaben des Landesamtes für soziale und gesundheitliche Belange im zurückliegenden Jahr bei rund 1,41 Milliarden Euro. «Eine weitere Steigung im Vergleich zum Vorjahresrekord von 50 Millionen», wie Drese erklärte.

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