15. September 2026 – dpa
Mario Vuskovic wird empfangen, als sei er der neue Superstar des HSV. Seine Rückkehr ins Training zwei Monate vor Ablauf seiner vierjährigen Doping-Sperre ist spektakulär und emotional.
Medien-Andrang, Fan-Ansturm und ein Auflauf von ehemaligen HSV-Größen im Volksparkstadion: Eine solche Trainingseinheit hat der Hamburger SV noch nie erlebt. Und das alles wegen Mario Vuskovic. Zwei Monate vor Ablauf seiner vierjährigen Doping-Sperre durfte der 24-Jährige endlich wieder am Training des Fußball-Bundesligisten teilnehmen - ein emotionaler Moment für Verein, Fans und besonders für ihn.
Als der Innenverteidiger um 15.17 Uhr an der Spitze der Mannschaft den Rasen in der Arena betrat, brach von der Nordkurve Jubel bei den circa 6.000 Zuschauern auf. Auf einem Banner stand in Kroatisch: «Die Reise war lang, doch das Ziel rückt näher. Willkommen zurück, Mario».
«Vuskovic-Vuskovic»-Rufe hallten immer wieder durch das Stadion. Vuskovic' Teamkollegen schubsten ihn in Richtung der Fans, sie und Trainer Merlin Polzin beklatschten ihn. Vuskovic verneigte und bedankte sich.
Auf diesen Tag hatten er, seine Familie, ehemalige und aktuelle Teamkollegen, der gesamte Verein und besonders die Fans sehnlichst gewartet. Seit dem 15. November 2022 durfte er nicht mehr mittrainieren, nachdem bei einer Trainingskontrolle im September zuvor die verbotene Substanz Erythropoetin (Epo) im Urin des Kroaten nachgewiesen worden war. Er beteuert bis heute seine Unschuld.
Sein Fall hat den Verein, die Mannschaft und die Anhängerschaft emotionalisiert und emotionalisiert noch immer. Die Strafe wurde und wird als ungerecht oder unangemessen empfunden. Bundesweit hatte er Debatten unter anderem über die Zuverlässigkeit der Nachweismethode ausgelöst.
Vuskovic' erster HSV-Arbeitstag nach fast vier Jahren begann am Vormittag mit medizinischen Tests. Die DFB-Rechtsordnung erlaubt, dass er schon vor dem eigentlichen Ablauf seiner Sperre am 15. November wieder ins Training einsteigen darf.
Sie besagt ausdrücklich auch, dass wegen Doping gesperrten Spielern eine strukturierte sportliche Wiedereingliederung und Vorbereitung ermöglicht werden soll, bevor sie wieder offiziell in Pflichtspielen eingesetzt werden dürfen. In den verbleibenden zwei Monaten darf er bis auf Training nichts weiter machen.
Vuskovic, der einen Tag nach dem Ende der Sperre 25 Jahre alt wird, könnte erstmals im Nordderby bei Werder Bremen am 22. November wieder im HSV-Trikot mit seiner Nummer 44 auflaufen. Doch das ist reine Theorie. Ob und wann er überhaupt wieder das Niveau erreichen kann, um auf höchster Ebene mitzuhalten, ist offen. Seine Wiedereingliederung nach einem solch langen Zeitraum ist eine in der Bundesliga noch nie dagewesene Herausforderung.
In den vergangenen fast vier Jahren hielt er sich individuell fit und trainierte unter anderem unter Josko Vlasic. Der ehemalige kroatische Zehnkampfmeister ist der Vater von Hochsprung-Olympiasiegerin Blanka Vlasic und von Fußball-Nationalspieler Nicola Vlasic (FC Turin).
Einen Innenverteidiger Vuskovic in Topform kann der HSV aktuell sehr gut gebrauchen. Sein Comeback fällt in die bislang schwerste Krise der Hamburger seit ihrem Wiederaufstieg 2025. Nach drei Spieltagen stehen sie mit null Punkten und 0:12 Toren auf dem letzten Tabellenplatz. Zuletzt gab es gleich zwei 0:5-Niederlagen gegen Mainz 05 und RB Leipzig.
Die Vuskovic-Heimkehr lenkte somit für einen Nachmittag von der aktuell trüben Situation des HSV ab. Einer fehlte unter den Beobachtern des ungewöhnlichen Trainings allerdings: Mario Vuskovic' fünf Jahre jüngerer Bruder Luka.
Der außergewöhnlich begabte Abwehrspieler hatte in der vergangenen Saison als Leihspieler von Tottenham Hotspur maßgeblichen Anteil am letztlich souveränen Klassenverbleib des HSV. Damals hatte das Ausnahme-Talent die Nummer 44 seines älteren Bruders getragen.
Beim Trainings-Comeback von Mario musste der 19-Jährige passen: Am Mittwoch steht das Drittrunden-Spiel im Liga-Cup seines neuen Clubs Brighton bei Manchester United an.
Nach einer Stunde war das Training endete das Training, wie es begonnen hatte: mit «Vuskovic-Vuskovic»-Rufen und viel Jubel. Als einer der letzten Spieler verließ Vuskovic den Platz.