17. August 2026 – dpa

Klimafolgen

Kliniken rüsten nach – Hitzeschutz bleibt teures Problem

Trinkprotokolle, Hitzeschutzfolien, Klimaräume: Wie Pflegeheime und Kliniken im Norden versuchen, ihre Bewohner vor der Hitze zu schützen und wo das an Grenzen stößt.

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Ältere Menschen leiden oftmals besonders unter der Hitze. (Archivbild)

Kliniken und Pflegeheime stehen auch im vergleichsweise kühlen Norden mit Blick auf die hohen Temperaturen vor Herausforderungen. «Auch in Schleswig-Holstein nehmen die Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen mit immer höheren Temperaturen zu. Die Kliniken sind auch in unserem Bundesland nur unzureichend auf diese Folge des Klimawandels eingestellt», sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH), Patrick Reimund.

Klimatisiert sind seinen Angaben zufolge oft die Intensivstationen. «Die normalen Stationen können aber meist noch nicht gekühlt werden. Die Belastung für Patientinnen und Patienten, aber auch Mitarbeitende ist bei Außentemperaturen von teilweise mehr als 30 Grad erheblich.»

Insbesondere bei älteren Menschen besteht das Risiko einer Überhitzung. Im Alter lässt die Fähigkeit zur Thermoregulation nach, zudem ist das Durst- und Wärmeempfinden häufig vermindert, wie eine Sprecherin der Alloheim-Gruppe sagte, die in Schleswig-Holstein 29 stationäre Pflegeeinrichtungen betreibt. In Kombination mit Vorerkrankungen und bestimmten Medikamenten steige dadurch das Risiko einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme und Überhitzung.

«Das ist einer der Gründe, warum wir die Flüssigkeitsaufnahme aktiv über Trinkprotokolle beobachten und dokumentieren, statt uns auf das Durstgefühl der Bewohnenden zu verlassen», sagte die Sprecherin. Für alle Einrichtungen der Alloheim-Gruppe gilt demnach ein Hitzeschutzkonzept, zu dem unter anderem regelmäßige Trinkrunden und -protokolle, die Anpassung von Aktivitäten an die Temperaturen sowie die verstärkte Beobachtung besonders gefährdeter Bewohnender gehören.

Die DRK-Pflegeheime in Schleswig-Holstein haben nach Angaben eines Sprechers des DRK-Landesverbandes individuelle Hitzeschutzkonzepte. Grundsätzlich gilt: Auf ausreichende Hydration achten, vor direktem Sonnenlicht schützen und auf leichtere Mahlzeiten setzen. Auch mobile Klimageräte und Ventilatoren kommen demnach vielerorts zum Einsatz. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt in Schleswig-Holstein 32 vollstationäre und 19 teilstationäre Pflegereinrichtungen.

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sind nach Angaben eines Sprechers alle sensiblen Behandlungsbereiche, darunter Operationssäle, Intensivstationen und Notaufnahmen, klimatisiert. Auch Räume mit besonders hohen Wärmelasten sowie Patientenzimmer, bei denen dies aus medizinischen Gründen erforderlich ist, sind demnach klimatisiert.

«Extremtemperaturen mit annähernd 40 Grad stellen das UKSH aber vor große Herausforderungen und es kann baulich bedingt zu erhöhten Temperaturen in den Innenräumen kommen», sagte der Sprecher. Das Klinikum habe an beiden Standorten zusammen mehr als 100 Gebäude, darunter viele historische Altbauten mit Denkmalschutz sowie Modularbauten und Holzbauten mit nur unzureichender Dämmung oder Möglichkeiten der Verschattung.

Bei Neubauten, Erweiterungsbauten und Sanierungen spielt der Hitzeschutz am UKSH eine übergeordnete Rolle, wie der Sprecher sagte. «Ebenso werden laufende Modernisierungen zur Verbesserung des Hitzeschutzes genutzt.»

Das Helios Klinikum in Schleswig teilte mit, «wir sind mit unseren Teams auf weiter steigende Temperaturen vorbereitet, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten.» Um die Auswirkungen der Hitze zu begrenzen, werden nach Angaben einer Sprecherin verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Intensivstation und Operationssäle sind demnach klimatisiert. Auf den Normalstationen tragen beispielsweise Fensterverdunklungen und gekühlte Getränke dazu bei, die Wärmebelastung zu reduzieren. Besonders hitzeempfindliche oder schwer erkrankte Patientinnen und Patienten werden bei Bedarf in kühlere Bereiche verlegt.

Die Westküstenkliniken mit ihren Standorten in Heide und Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) haben beim Neubau des Operationsaals und der Intensivstation vor mehr als 15 Jahren Kühlanlagen eingebaut, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Funktionsräume mit Großgeräten wie beispielsweise in der Radiologie sind ebenfalls klimatisiert. Viele andere Bereiche verfügen demnach über moderne Lüftungstechnik. Zudem haben alle Patientenzimmer Jalousien. In besonders exponierten Bereichen sind die Fenster mit Hitzeschutzfolien beklebt.

Kurzfristig und mittelfristig kann nach Ansicht des KGSH-Geschäftsführers der Einbau von Klimaanlagen oder die Anschaffung mobiler Anlagen die Lage verbessern. «Beim Neubau von Krankenhausgebäuden muss mehr als bisher auf baulichen Hitzeschutz beispielsweise durch entsprechende Ausrichtung oder Verschattung von Fassaden Wert gelegt werden», sagte Reimund.

Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes betonte, es bestehe der Wunsch, zusätzliche bauliche Maßnahmen zum Hitzeschutz umzusetzen. Ein Ziel ist etwa die Einrichtung von Kühl- oder Klimaräumen, in denen sich Bewohnerinnen und Bewohner, Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende abkühlen können.

«Angesichts des enormen Investitionsbedarfs und der derzeit begrenzten finanziellen Spielräume ist dies jedoch nur möglich, wenn entsprechende Investitionsmittel zur Verfügung gestellt werden», heißt es.

Bundesweit hat ein Gutachten nach Angaben der KGSH für notwendige Klimaschutzmaßnahmen einschließlich der Kühlung von Gebäuden einen Finanzbedarf von mehr als 30 Milliarden Euro ergeben, der zusätzlich zur Verfügung gestellt werden müsste. Den Angaben zufolge sind für Investitionskosten die Länder zuständig. Und auch wenn die Summen hoch sind, sind sie laut Geschäftsführer Reimund dringend notwendig, «da es sich bei Klima- und Hitzeschutz nicht um Komfort oder gar Luxus handelt, sondern um die Vermeidung vieler unnötiger Todesfälle».

Allein an den Westküstenkliniken würde die Nachrüstung aller Gebäude mit Klimaanlagen nach Angaben des Unternehmenssprechers mehrere Millionen Euro kosten und müsste als Investition in die Klinikinfrastruktur vom Land getragen werden. «Wir sind als Klinik aufgrund der bereits heute nicht auskömmlichen Finanzierung durch die Kostenträger nicht in der Lage aus unseren nicht vorhandenen Mitteln in Klimaanlagen zu investieren.»

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