23. September 2026 – dpa

Hamburger Männerchor

Sie singen schief, aber mit Liebe - Goldkehlchen hören auf

Hamburgs kauzigster Chor spielt sein bisher größtes Konzert im Volksparkstadion. Damit wollen sich die Sänger verabschieden - für immer?

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Die Hamburger Goldkehlchen bei der Probe vor ihrem großen Abschiedskonzert im ausverkauften Volksparkstadion.

«Wir singen laut, wir singen schief, aber vor allem mit Liebe» tönt es voller Inbrunst durch den Probenraum in Hamburg-Altona. Rund 70 Männer mit Caps, Tattoos und Baggyjeans geben gerade Vollgas. Sie singen und springen um ein rotes Keyboard, an dem ihr Chorleiter die Melodien anspielt. Sie reißen die Arme hoch, grooven zum Beat - und zischen zwischendrin einen Schluck von ihrem Bier.

Einmal die Woche treffen sich die Hamburger Goldkehlchen zum Singen in ihrem Bandenquartier, der Barnerstraße 16. Dabei trällern sie hauptsächlich Coverversionen von deutschen und englischen Popsongs.

Was so lässig und cool wirkt, sind die letzten Proben des Chors vor ihrem bisher größten Konzert. Am 26. September treten die Männer vor über 50. 000 Fans im Hamburger Volksparkstadion auf - und werden danach aufhören.

«Wir haben immer gesagt, wir wollen aufhören, wenn es am schönsten ist», sagt Chorgründer Flemming Pinck. Der Chor hätte sich immer auf Hamburg festgelegt, und was gäbe es Größeres nach einem Fußballstadion. Danach könne nichts mehr kommen. «Und dann halten wir unser Wort und hören auf», so Pinck.

Vor zehn Jahren hat er mit seinem Kumpel Max Michel den Chor aus einer Schnapsidee heraus gegründet, weil sie so viel Spaß am Karaokesingen hatten. Der Chor ist längst zu einem gemeinsamen Lebensprojekt geworden. Damals war ihr größter Traum, einmal in der Elbphilharmonie zu spielen - schon im vergangenen Jahr wurde er Wirklichkeit.

«Seit Tag eins sind wir immer an alles herangegangen und haben gesagt, wir wollen nur Sachen machen, wo wir unseren Enkelkindern von erzählen. Und deswegen machen wir vieles auch nur einmal», sagt Pinck. Mit dem Konzert im Volksparkstadion setzen sie noch mal einen darauf. Sie haben einige Überraschungen geplant und neue Songs geprobt, über die sie noch nichts verraten. «Das hätte auch total nach hinten losgehen können», gibt Pinck zu. Umso stolzer seien sie nun, so viele Tickets verkauft zu haben.

Wie bei jedem seiner Konzerte spendet der Chor die Einnahmen an gemeinnützige Projekte. In diesem Jahr geht das Geld an die Annemarie Dose-Stiftung in Hamburg, die sich damit für Frauenhäuser einsetzt.

«Das ist ein super aktuelles Thema, ist uns ganz wichtig», erklärt Goldkehlchen-Geschäftsführer Markus Tiedemann, der auch mitsingt. Die Goldkehlchen hätten vor allem weibliche Fans, die sie seit Tag eins unterstützen und zum Erfolg des Chors beitragen, deshalb sei die Stiftung ein treffendes Spendenziel.

Bis heute sagen die Goldkehlchen mit einem Augenzwinkern, sie seien ein Chor, in dem keiner singen könne. So ganz mag man das nicht mehr glauben, wenn die Bande mehrstimmig «Schrei nach Liebe» probt. Sie hätten den Spaß irgendwann ernst genommen, aber nie so ernst, dass der Spaß dabei vergehe, erklärt Gründer Pinck. Dass alles so ins Rollen komme, hätten sie selbst nie geahnt. Mit einem schmunzeln sagt er: «Wir sind definitiv nicht der beste Chor der Welt, aber vielleicht der leidenschaftlichste.»

Immer wieder legen die Männer beim Singen ihre Arme auf die Brust und schließen die Augen, um die Musik richtig zu fühlen. Im nächsten Moment tanzen und springen sie wild umher. «Bewegung, Bewegung», ruft Chorleiter Paul Jungeblodt den Männern ermutigend zu. Mit Bewegung singe man noch mal viel musikalischer, ist sich der Chorleiter sicher.

Zwischendrin klatschen die Männer sich ab, feixen und machen Späße miteinander. Sie könnten genau so in der Kreisliga-Kabine stehen oder auf Klassenfahrt sein. «Das Schönste sind wirklich die Proben und der Weg dahin und die Momente mit den Jungs und alles, was drumherum passiert» beschreibt es Pinck. Die Auftritte seien zwar auch sehr besonders, aber verfliegen wie ein Fiebertraum.

Aufgeregt sind sie trotzdem vor einem Konzert. Sie seien eben nicht «abgebrühte Dudes und Profis, sondern wir sind einfach ganz normale Jungs, die dann auf der Bühne stehen», so Pinck.

Ein Jahr haben sie ihren Abschiedsauftritt geplant und sind dankbar für die Möglichkeit. Ein völliges Ende der Goldkehlchen ist das Abschiedskonzert aber nicht. Sie werden sich weiterhin jeden Montag zum Singen treffen. Das tue ihnen gut und sei wie Therapie, sagt Pinck. Und lässt noch ein Hintertürchen offen: «Wir brauchen auf jeden Fall dann erstmal kurz ein bisschen Ruhe, und dann werden wir schon kreativ werden und irgendwas wird schon kommen». Nach dem allerletzten Konzert der Goldkehlchen klingt das nicht.

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