02. Juli 2026 – dpa

Landwirtschaft

Warum der Erhalt alter Nutztierrassen wichtig ist

Mehr als 70 Prozent der einheimischen Nutztierrassen gelten als gefährdet. Eine Konferenz in Kiel sucht nach Wegen, wie diese alten Rassen erhalten werden können. Warum?

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Viele alte Nutztierrassen sind selten geworden. (Archivbild), Foto: Markus Scholz/dpa

Viele alte Nutztierrassen sind selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht. Drei Tage lang befasst sich auf Initiative der Arche Warder von diesem Donnerstag an eine internationale Konferenz in Kiel damit, wie alte Rassen bewahrt werden können.

Zu der Konferenz unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) werden rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilnehmen, darunter auch aus Japan. Die Teilnahme der japanischen Wissenschaftler unterstreiche die globale Relevanz des Themas, teilte die Arche Warder mit. Denn der Erhalt beispielsweise alter Schweine-, Rinder- und Hühnerrassen ist nicht nur aus nostalgischen Gründen wichtig. Ein Überblick.

Alte Nutztierrassen sind frühere Haus- und Hoftierrassen, die heute in der Landwirtschaft oft kaum noch genutzt werden. Dazu gehört etwa das Angler Sattelschwein, das Murnau-Werdenfelser Rind oder die Lippegans. Viele von ihnen gelten als selten oder sogar vom Aussterben bedroht.

«Der Handlungsbedarf, um die Vielfalt der einheimischen Nutztierrassen zu schützen, bleibt groß», heißt es etwa im Vorwort zur Roten Liste einheimischer Nutztierrassen in Deutschland 2025, die die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veröffentlicht. Demnach gelten mehr als 70 Prozent aller einheimischen Nutztierrassen weiterhin als gefährdet. Die Rote Liste wird alle zwei Jahre überarbeitet.

Die Haus- und Nutztiere wurden vom Menschen vor vielen tausend Jahren aus Wildformen erzüchtet. Eine große Vielfalt an Nutztierrassen entstand, die an die unterschiedlichsten Orte - etwa Gebirge, das Tiefland oder besonders trockene Standorte - angepasst waren.

In der modernen Landwirtschaft wurden über Jahrzehnte vor allem Tiere gezüchtet, die besonders viel leisten - also mehr Milch geben, schneller wachsen oder mehr Fleisch ansetzen. Alte Rassen konnten da wirtschaftlich oft nicht mithalten und wurden nach und nach verdrängt, sagte der Direktor der Arche Warder, Kai Frölich.

Die Arche Warder im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist eigenen Angaben zufolge das weltweit größte Zentrum für seltene und bedrohte Nutztierrassen. Dort sowie auf 19 Satellitenstationen leben mehr als 1.200 Tiere aus rund 90 Rassen. Der Park verbindet Tierhaltung, Forschung, Bildung und Naturschutz. Es geht der Arche darum, Tiere nicht nur zu zeigen, sondern ihre Zukunft langfristig zu sichern.

Die Arche Warder ist eng vernetzt mit Naturorganisationen, Tierparks, Zoos, Herdbuchzüchtern, anderen Arche-Höfen, sowie vielen anderen Institutionen und Betrieben.

Weil mit diesen Rassen nach Ansicht von Experten nicht nur Tiere verschwinden, sondern auch genetische Vielfalt. Diese Vielfalt kann wichtig sein, wenn sich Klima, Krankheiten oder Anforderungen in der Landwirtschaft verändern. Alte Rassen gelten oft als widerstandsfähig und anpassungsfähig. Außerdem erzählen sie ein Stück Kulturgeschichte: Sie zeigen, wie eng Mensch und Tier über Jahrhunderte zusammengelebt haben.

Eine große. Alte, robuste Rassen können helfen, Kulturlandschaften offen und artenreich zu halten, wie Frölich betont. «Dafür sind sie besonders geeignet.» Sie könnten Flächen also so pflegen, dass Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere erhalten bleiben oder neu entstehen.

Auch bei einer nachhaltigeren Landwirtschaft können sie eine größere Rolle spielen, etwa weil sie mit kargerem Futter auskommen, besser an bestimmte Standorte angepasst sind und als robust gelten. Aber auch sie brauchen eine gute Haltung und Betreuung, wie Frölich sagt. Robust heißt also nicht, dass man sie sich selbst überlassen kann.

Sie können beispielsweise Tierparks wie die Arche Warder besuchen oder eine Tierpatenschaft für eine gefährdete Rasse übernehmen. Eine weitere Möglichkeit ist «Schützen durch Essen», also eine Nachfrage schaffen, wie eine Sprecherin der Arche Warder sagte. Denn viele alte Haustierrassen sind heute vom Aussterben bedroht, weil sie wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig sind, langsamer wachsen oder weniger Milch geben als Hochleistungszüchtungen. Ohne Nachfrage nach ihrem Fleisch oder ihren Produkten verschwinden sie nach und nach - und mit ihnen wertvolles genetisches Erbe.

Auch das BLE rät, beim Einkauf gezielt auf Produkte aus regionaler, biodiversitätsfreundlicher Landwirtschaft zu achten - sofern solche Angebote vorhanden sind. Mit dem Kauf von Fleisch, Wolle, Milch und Eiern von einheimischen oder gefährdeten Rassen könne jede und jeder Einzelne dazu beitragen, die Vielfalt in den Landschaften und Ställen zu erhalten und damit ein Zeichen für Regionalität und Kulturgut zu setzen.

Die Veranstalter hoffen auf ein breites wissenschaftliches und vor allen Dingen auf gesellschaftliches Interesse. Auf internationaler Ebene wird erwartet, dass die Tagung als wichtiger Impulsgeber für die Forschung und Praxis zur Erhaltung alter Nutztierrassen wahrgenommen wird.

Auf dem Programm stehen Themen wie Genetik und Stärkung der Vermarktung verschiedener Rassen. Zudem gibt es einen Vortragsblock mit Vorträgen zu allgemeineren Themen wie «Zoo der Zukunft», «Bildung», «Animal Welfare» und «Tiermedizinische Orthopädie». Diese sollen die Interdisziplinarität der Konferenz unterstreichen. Zudem ist eine Exkursion in die Arche Warder geplant.

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