16. September 2026 – dpa
Fast überall in den deutschen Staatsanwaltschaften wächst die Zahl der unerledigten Ermittlungsverfahren. Der Deutsche Richterbund kritisiert die Überlastung der Strafverfolger.
Die Zahl unerledigter Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein ist erneut gestiegen und liegt zur Mitte des Jahres bei 47.831. Ein Jahr zuvor waren es 33.307 offene Verfahren. Das entspricht einem Anstieg von gut 40 Prozent. Das hat eine Recherche der Deutschen Richterzeitung bei den Landesjustizverwaltungen ergeben.
In der ersten Hälfte des laufenden Jahres kamen demnach in den Staatsanwaltschaften im nördlichsten Bundesland 86.935 neue Verfahren hinzu, etwa 4.700 weniger als vor einem Jahr zur Jahresmitte. Die Gesamtzahl neu eingegangener Verfahren ist aber im Laufe der vergangenen Jahre gewachsen und lag Ende 2025 bei 181.773 - gegenüber 2021 ein Anstieg von etwa 7,6 Prozent.
Bundesweit meldeten die Strafverfolger zur Jahresmitte 2026 nach der Umfrage der Deutschen Richterzeitung erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Fälle. Im Vergleich zum 30. Juni 2025 ist die Zahl der unerledigten Verfahren erneut um 125.700 Fälle oder 13 Prozent gestiegen. Seit Ende 2020, als bundesweit 709.367 offene Fälle in den Behörden lagen, ist der Aktenberg der Staatsanwaltschaften um 56 Prozent gestiegen.
«Die Rekordeingangszahlen und die immer höheren Aktenbestände der Staatsanwaltschaften müssen Anlass für die Landesregierungen sein, jetzt konsequent gegenzusteuern», sagt Sven Rebehn, der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB). «Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals.» Der Eindruck einer «Strafverfolgung nach Kassenlage» dürfe sich nicht verfestigen, so Rebehn.