01. Oktober 2023 – dpa

Natur

Langer Sommer in Schweden verzögert Kranichzug

An den vorpommerschen Bodden haben Naturschützer im September weniger Kraniche als in den Vorjahren gezählt. Ursache sei der lange Sommer in Schweden, der den Vögeln noch viel Futter bietet, sagt ein Kranichexperte. Doch nun steht der Höhepunkt des Kranichzuges bevor.

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Kraniche ziehen nach Sonnenuntergang zu den Schlafplätzen., Foto: Jens Büttner/dpa

Der herbstliche Kranichzug von Skandinavien nach Spanien hat begonnen, doch an der Ostseeküste in Vorpommern sind bislang weniger Vögel als in früheren Jahren eingetroffen. Mitte September seien an der Darß-Zingster Boddenkette und auf Rügen etwa 14.000 Kraniche gezählt worden, sagte der Leiter des Kranichzentrums in Groß Mohrdorf bei Stralsund, Günter Nowald. Normalerweise seien es um diese Zeit 20.000 bis 25.000 Vögel.

Grund für die geringere Zahl sei der lange Sommer in Mittel- und Südschweden. Auf den Stoppelfeldern dort fänden die Kraniche noch genug Futter. Am Hornborga-See hätten sich vor wenigen Tagen 24.300 Vögel aufgehalten. So viele Tiere seien an diesem größten Kranichrastplatz in Skandinavien noch nie gezählt worden, sagte Nowald.

Der Naturschützer vermutet, dass sich an der vorpommerschen Boddenkette inzwischen rund 20.000 Kraniche versammelt haben, mindestens so viele wie bei Linum im brandenburgischen Rhin- und Havelluch. Das Kranichzentrum in Groß Mohrdorf plante für dieses Wochenende eine weitere Zählung. Dafür beobachten die Mitarbeiter die Schlafplätze, die die Kraniche abends in Kettenreihen anfliegen.

Den Höhepunkt des Kranichzuges erwartet Nowald in der ersten Oktoberhälfte. Dann sollen 50.000 bis 70.000 der bis zu 1,20 Meter großen Vögel an den Boddengewässern rasten. «Das ist wunderbar, eines der letzten Naturschauspiele, das man in Europa findet», schwärmte Nowald. Vogelfreunde könnten auch im Herbst vereinzelt Kranichtänze sehen und den trompetenartigen Ruf der Tiere hören. Das Kranichzentrum zeigt eine Ausstellung über die Großvögel und bietet Exkursionen zu Beobachtungspunkten an.

Vor dem Winter fliegen die meisten Kraniche weiter, über Niedersachsen und Frankreich bis in die südwestspanische Region Extremadura. Manche Vögel versuchen auch, in Vorpommern zu überwintern. Solange es genug zu fressen gebe, sei das kein Problem, erklärte Nowald. Wenn sich jedoch wie im Dezember vergangenen Jahres eine Schneedecke bilde, bleibe den Kranichen nur die «Winterflucht». Sie flögen dann etwa nach Nordfrankreich weiter.

Seit vier bis fünf Jahrzehnten wachse die Population in Europa. Der Kranich erobere sich langsam die Gebiete zurück, in denen er vor etwa 200 bis 300 Jahren ausgerottet worden sei. Doch aufgrund des Klimawandels drohe eine Trendumkehr. Im vergangenen Mai und Juni habe das Kranichzentrum 250 Brutpaare untersucht. 70 Prozent seien ohne Nachwuchs gewesen. Die Ursache laut Nowald: Wegen ausgebliebener Niederschläge seien Feuchtgebiete in Norddeutschland ausgetrocknet. Füchse und andere Raubtiere konnten das Gelege am Boden fressen. Außerdem hätten die Kraniche unter Nahrungsmangel gelitten.

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