29. Oktober 2026 – dpa
Bezahlbarer Wohnraum, medizinische Versorgung und Küstenschutz - die Insel- und Halliggemeinden stehen vor vielen Herausforderungen. Welche Forderungen sie Landespolitikern in Kampen mitgegeben haben.
Dauerwohnraum und Ferienwohnungen, medizinische Versorgung, erneuerbare Energien und Küstenschutz. Die Liste der Themen, die die Gemeinden auf den Inseln und Halligen umtreiben, ist lang. Etwa ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein waren Landespolitiker auf der Mitgliederversammlung der Insel- und Halligkonferenz (IHKo) in Kampen auf Sylt zu Gast, um in Diskussionsrunden zu den Themen Stellung zu beziehen.
Zugleich stellte die IHKo, ein Verein, in dem sich die 26 Gemeinden der nordfriesischen Inseln und Halligen sowie von Helgoland engagieren, ihre Forderungen an Spitzenpolitiker verschiedener im Landtag vertretener Parteien. Man sei mit dem Verlauf der Versammlung sehr, sehr zufrieden, sagte die IHKo-Vorsitzende Heidi Braun im Anschluss. Vier große Themenfelder seien bearbeitet worden:
Die Folgen des Klimawandels sind auch auf den Inseln und Halligen deutlich zu spüren, heißt es bei der IHKo. Die Insel- und Halliggemeinden brauchten die Möglichkeit, eigene Entscheidungen treffen zu können, um einen Beitrag zu einer erfolgreichen Energie- und Wärmewende leisten zu können.
Die Landesregierung muss sich nach Ansicht des Vereins zur Energie- und Wärmewende bekennen, indem sie auch die Inseln und Halligen in die Lage versetzt, ihre Wärme- und Energieversorgung erneuerbar, gemeinwohlorientiert und bedarfsgerecht gestalten zu können. Man wolle gerne weiterhin Windkraft auf den Inseln haben, sagte Braun, die Amtsvorsteherin des Amtes Föhr-Amrum ist.
Der aktuelle Landesentwicklungsplan sieht vor, dass auf den nordfriesischen Inseln «aufgrund der hohen Bedeutung für den Vogelschutz und für den Tourismus in der Regel keine Ausweisung von Windenergiegebieten» stattfinden soll.
Eine weitere Forderung der Insel- und Halligkonferenz ist den Angaben zufolge der Erhalt einer modernen, wohnortnahen Krankenhausversorgung und Notfallversorgung auf den Inseln unter Berücksichtigung der insularen Lage. «Große Sorgen macht uns die Zukunft der medizinischen Grund- und Notfallversorgung auf den nordfriesischen Inseln und Halligen und Helgoland», heißt es. Die Maßnahmen der Krankenhausreform beachteten nicht die insulare Lage und daraus abgeleiteten Notwendigkeiten. Die Häuser auf Helgoland und Föhr sollen im Zuge der Krankenhausreform in «sektorübergreifende Versorgungseinrichtungen» umgestaltet werden.
Die Insel sei mit keiner ländlichen Region auf dem Festland vergleichbar, die medizinische Erreichbarkeit der nächsten geeigneten Klinik durch die Insellage fundamental eingeschränkt.
Ein Dauerbrenner auf den Inseln und Halligen ist das Thema bezahlbarer Dauerwohnraum. Dieser sowie die Flächenentwicklung seien den Angaben zufolge die Kernherausforderungen für die Daseinsvorsorge und die Wettbewerbsfähigkeit etwa im Tourismus. Ziel ist es, ein angemessenes Verhältnis von Dauerwohnraum, Zweitwohnsitzen und Ferienwohnraum zu erreichen.
Die Vertreter der Insel- und Halligkonferenz wünschen sich dabei Unterstützung bei der Schaffung von Rechts- und Planungssicherheit auf den Inseln und Halligen.
Die nordfriesischen Inseln und Halligen bilden durch ihre Lage einen ersten Wellenbrecher und sind damit eine Art vorderste Linie der Deichverteidigung für das Festland. Ohne Küstenschutz sind sie nicht bewohnbar. Die Landesregierung hat bereits mit dem Bau von Klimadeichen und Klimawarften auf den Halligen auf den steigenden Meeresspiegel reagiert.
Die IHKo möchte eine Zusage, die Inseln und Halligen dauerhaft als Lebens- und Arbeitsstandorte zu erhalten. Zudem sollen die Finanzierung der Küstenschutzmaßnahmen sichergestellt und Ausnahmen bei Ausgleichs- und Kohärenzmaßnahmen ermöglicht werden.