07. Oktober 2026 – dpa

Bahnverkehr

Neue Bahnstrecke soll Nord-Süd-Verkehr beschleunigen

Im jahrelangen Streit über eine Modernisierung auf der wichtigen Nord-Süd-Achse gibt es eine Entscheidung: Eine neue Strecke soll gebaut werden. Die Proteste in Niedersachsen ebben aber nicht ab.

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Eine Neubaustrecke ist umstritten.

Für die wichtige Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg ist nach langem Ringen der Weg frei für eine Neubautrasse. Der Verkehrsausschuss des Bundestages bestätigte das Ergebnis der sogenannten Vorplanung der Bahn, die eine neue Strecke vorsieht – allerdings werden zugleich wesentliche und schnelle Verbesserungen an der bestehenden Strecke gefordert.

Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken beschlossen. Am späten Donnerstagabend soll sich der gesamte Bundestag mit dem Projekt befassen. Die Zustimmung dort gilt als Formsache, wie es in der Koalition hieß.

Die stark belastete Bahnverbindung Hannover-Hamburg ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Deutschland. In Niedersachsen gibt es allerdings Proteste gegen einen Neubau. Seit Jahrzehnten wird über das Vorhaben gestritten.

Für die Fahrgäste im Fernverkehr soll die Fahrtzeit zwischen Hamburg und Hannover mit dem Neubau um 18 Minuten verringert werden. Die bisherige Strecke macht auf der Karte betrachtet einen Knick nach Osten und führt über Lüneburg, Uelzen und Celle. Die geplante zweigleisige Neubaustrecke soll dagegen direkter und eher senkrecht verlaufen – teils entlang der A7.

Diese von der Bahn favorisierte ICE-Trasse soll über Soltau und Bergen führen, für bis zu 250 km/h ausgelegt sein und den Fern- und Güterverkehr von der bestehenden Strecke abziehen. Für den Güterverkehr ist die Strecke besonders wichtig, da sie den Hamburger Hafen mit Süddeutschland und dem europäischen Ausland verbindet. Nach DB-Angaben fährt jeder vierte Güterwagen in Deutschland von oder nach Hamburg.

Die bestehende Verbindung zählt zu den am stärksten belasteten Bahnstrecken Deutschlands. Nach DB-Angaben liegt die Auslastung auf dem Korridor bei bis zu 147 Prozent, die Trasse ist also überbelegt.

«Mit der Entscheidung für die Neubaustrecke wird die Grundlage dafür geschaffen, einen zentralen Engpass im deutschen Schienennetz aufzulösen», sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und kündigte «konkrete Verbesserungen vor Ort» an.

«Wir beenden den jahrelangen Stillstand bei Hamburg-Hannover und bringen Neubau und Verbesserungen auf der Bestandsstrecke endlich zusammen», sagte die SPD-Verkehrspolitikerin im Bundestag, Isabel Cademartori. «Der Neubau schafft dringend benötigte Kapazitäten für Personen- und Güterverkehr, zugleich investieren wir rund 250 Millionen Euro zusätzlich in die bestehende Strecke bis spätestens 2034.»

Dazu gehörten mehr Lärmschutz und die Chance auf neue Regionalhalte entlang der Neubaustrecke. Der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß sagte, die Neubaustrecke sei ein zentraler Baustein, um Engpässe zwischen Hamburg und Hannover dauerhaft aufzulösen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn teilte mit, der Neubau werde großen Nutzen auch für den Regionalverkehr haben und auch die Verbindungen von Nordrhein-Westfalen nach Hamburg und Skandinavien beschleunigen. Zugleich werde die neue Strecke der Wirtschaft erhebliche Vorteile verschaffen.

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks sagte, es gebe «endlich eine realistische Perspektive zur Lösung der Kapazitätsprobleme auf der Schiene in Norddeutschland». Auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (beide Grüne) sprach von einer positiven Nachricht für den ganzen Norden.

In Niedersachsen stößt die Entscheidung aus Berlin jedoch auch auf Kritik. Seit Jahren gibt es dort Widerstand gegen eine neue ICE-Trasse.

Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte heute: «Mit dem Kopf durch die Wand die Planung einer Neubaustrecke voranzubringen, die in 30, 40 Jahren vielleicht mal kommt, ist nur die halbe Lösung.» Er werde weiterhin Druck dafür machen, dass auch ein drittes Gleis auf der Bestandsstrecke komme. Vor Jahren hatte Lies selbst als Verkehrsminister ein Dialogforum auf den Weg gebracht, das sich letztlich für die Ausbauvariante «Alpha-E» statt eines Neubaus aussprach.

Der Bund habe sich dagegen stark auf die großen Städte fokussiert. «Mir ist es wichtiger, was heißt das für die Pendlerinnen und Pendler in meinem Land», sagte Lies. «Das hat man aus meiner Sicht in Berlin zu wenig bedacht.»

SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil, dessen Wahlkreis in der Lüneburger Heide vom Neubau betroffen wäre, hatte sich ebenfalls über Jahre gegen das Projekt ausgesprochen.

Der Naturschutzbund (Nabu) in Niedersachsen warnte, ein Neubau drohe wertvolle Lebensräume dauerhaft zu verändern und zu zerschneiden.

Vorgesehen ist bereits, dass die bestehende Strecke zwischen Hannover und Hamburg 2029 saniert wird. Das Konzept dieser «Korridorsanierung» sieht vor: Eine hochbelastete Strecke wird über Monate dicht gemacht und umfassend saniert, statt im laufenden Betrieb. Allerdings wird das Konzept der «Korridorsanierung» derzeit vom Bundesverkehrsministerium und der Bahn überprüft. Es zeichnet sich ab, dass künftig weniger Strecken saniert werden.

Für die Strecke Hamburg-Hannover folgen nach der Bestätigung des Vorhabens durch den Bundestag die weiteren sogenannten Leistungsphasen. Dabei geht es um die sogenannte Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Bis es eine Baugenehmigung gibt und die Bagger rollen, können viele Jahre vergehen.

Aus dem Bericht der Vorplanung ergibt sich folgender Fahrplan: Im Jahr 2034 sollen die Planfeststellungsunterlagen eingereicht werden, im Jahr 2036 soll der Baubeginn erfolgen – die Strecke soll dann im Jahr 2050 fertig sein.

Die Finanzierung muss aber noch gesichert werden. Laut Bericht zur Vorplanung rechnet die Bahn mit Kosten von mindestens rund neun Milliarden Euro. Werden Forderungen aus der Region erfüllt, kann das Projekt auch noch deutlich teurer werden.

Generell gilt: Die verschiedenen Leistungsphasen der Planung müssen finanziert werden. Der «große Brocken» fällt dann erst bei Baubeginn an.

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