13. Juli 2026 – dpa

Sinkende Zahlen

Jugendherbergen mit deutlich weniger Sommer-Buchungen

Jugendherbergen in MV melden für den Sommer rund 25 Prozent weniger Buchungen. Wieso das auch gesellschaftlich kein gutes Zeichen ist und was der erste Kuss mit Tourismus zu tun hat.

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Sommerferienzeit ist eigentlich Hochsaison in den Jugendherbergen in MV. Dieses Jahr gibt es aber weniger Buchungen. (Archivbild)

Die gerade in Mecklenburg-Vorpommern gestarteten Sommerferien bedeuten für die Jugendherbergen Hochsaison. Dennoch verzeichnet der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks für Juli und August deutlich weniger gebuchte Übernachtungen als im Vorjahr: 21.100 statt 28.600 im Vergleichszeitraum 2025.

«Da sind 25 Prozent weniger Übernachtungen aus dem klassischen Ferienlagergeschäft zu erwarten», verdeutlichte Verbandsvorstand Kai-Michael Stybel. Zuvor hatte die «Ostsee-Zeitung» berichtet. Unter dem Strich seien das etwa 1.200 Kinder und Jugendliche weniger, die kämen, hieß es.

Stybel sieht für den Rückgang mehrere Gründe. Dazu zählten etwa wirtschaftliche Faktoren. «Wir sind, auch wenn wir als gemeinnütziger Anbieter, als Verein organisiert sind, trotz allem ja auch ein mittelständisches Unternehmen, was 190 Beschäftigte hat und eine ganze Menge Kosten zu decken hat.» Er verwies etwa auf steigende Energie- und Personalkosten, die in Form höherer Preise weitergegeben werden müssten.

Der DJH in MV biete nicht nur zwölf Herbergen für Reisen von Vereinen oder anderen Organisationen an, sondern organisiere selbst auch Sommerferienlager in Born auf dem Darß. Dafür sei sozialpädagogisches Personal für die Betreuung und Aktivitäten notwendig, so dass fünf Tage je Teilnehmer normalerweise 550 Euro kosten würden. Glücklicherweise beziehe man Förderung des Deutschen Kinderhilfswerks, sodass Kinder aus finanzschwachen Familien für 100 Euro teilnehmen könnten.

Das Beispiel veranschauliche aber die eigentlich hohen Kosten. Elternhäuser könnten sich die gestiegenen Preise mitunter nicht mehr leisten.

Auch ein wachsendes Personalproblem im Ehrenamt sei ein möglicher Faktor. 2025 sei etwa ein Sommerferienlager der Landesjugendfeuerwehr Mecklenburg-Vorpommern weggefallen, weil diese strukturelle Schwierigkeiten gehabt habe. «Und dann ist mal eben das Ferienlager für 650 Kinder abgesagt.»

Jugendfreizeiten hätten eine gesellschaftliche Bedeutung, sagt Stybel. Sie ermöglichten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu neuen Lebenswelten, geschützt und pädagogisch begleitet. Welche negativen Auswirkungen die Beschränkungen solcher Erfahrungen haben könnten, zeigten die Folgen der Corona-Beschränkungen. In der kindlichen und jugendlichen Entwicklung komme es auf Kontinuität an. «Das lässt sich nicht ausschalten und wieder einschalten.»

Bei Problemen etwa zu Hause könne der außerschulische Freizeitbereich eine wichtige Brücke bieten und auch helfen, Defizite, die es anderswo gebe, auszugleichen und letztendlich die jungen Menschen und ihre Persönlichkeiten zu stärken. «Das macht ja Jugendarbeit aus», so Stybel.

Der Schweriner Sozialministerin Stefanie Drese bereiten die rückläufigen Übernachtungszahlen nach eigener Aussage Sorgen. «Das ist ein allgemeiner, bundesweiter Trend, den wir beobachten müssen», so die SPD-Politikerin. «Die Gründe dafür sind vielschichtig: die angespannte wirtschaftliche Lage, weniger Vereinsfahrten, weniger und kürzere Klassenfahrten, verändertes Buchungsverhalten von Familien.»

Das Land habe seine finanzielle Unterstützung in den letzten Jahren ausgeweitet, heißt es vom Ministerium. Angesichts der Haushaltslage werte man es als Erfolg, dass auch in den Jahren 2026 und 2027 zusätzliche Mittel in Höhe von insgesamt bis zu 100.000 Euro für die Förderung von Kinder- und Jugendfreizeiten zur Verfügung stünden. «Mehr ist natürlich immer wünschenswert.»

Damit könnten in den Jahren 2026 und 2027 für Maßnahmen der Kinder- und Jugenderholung jeweils bis zu 350.000 Euro ausgegeben werden. Dies bedeutet demnach, dass aktuell die Tagessätze für die Förderung von Freizeiten 10,00 Euro je Kind oder Jugendlichem betragen. Drese will erreichen, dass diese Tagessätze dauerhaft verankert werden.

Eine Ferienfreizeit kostet je Teilnehmer und Tag laut Ministerium im Durchschnitt zwischen 20 und 35 Euro. Je nach Gestaltung, Ort, Unterbringung und Verpflegung oder auch Gruppengröße variierten die Preise.

Alle Anträge für Förderungen von Freizeiten in den bevorstehenden Sommerferien konnten laut Ministerium bewilligt werden. Das Ministerium schrieb aber auch: «Die Fördermittel sind für dieses Jahr nun ausgeschöpft.»

Nach Aussage Stybels ist ein Rückgang der Übernachtungen in Jugendherbergen auch mit Blick auf MV als Urlaubsland problematisch. Einige der Gäste reisten zum ersten Mal an die Ostseeküste oder die Mecklenburgische Seenplatte.

«So was bleibt ja drin, so was vergisst man nicht fürs Leben», sagte Stybel. «Ich will jetzt nicht vom ersten Kuss und so weiter sprechen, aber auch das findet in unseren Häusern statt.» Solche emotionale Erlebnisse aus der eigenen Kindheit blieben haften. Wenn junge Menschen wegblieben, fehlten sie möglicherweise auch später als Urlauber und Urlauberinnen in Mecklenburg-Vorpommern.

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