24. September 2026 – dpa
Wie kann die Nordkirche am besten in die Zukunft geführt werden? Und mit welcher Leitungsstruktur? In Lübeck-Travemünde haben die Mitglieder der Synode eine Richtungsentscheidung getroffen.
Die Nordkirche hat die Weichen für eine neue Leitungsstruktur gestellt. Zum Auftakt ihrer Tagung in Lübeck-Travemünde verabschiedete die Synode ein Eckpunktepapier, das ein Leitungsmodell mit drei gleichgeordneten Bischöfinnen und Bischöfen vorsieht. Die Stelle einer Landesbischöfin, wie es sie bisher gibt, würde damit entfallen.
Das neue Modell, das von 2029 an gelten soll, ist damit aber nicht endgültig beschlossen. In dem Antrag wird die Kirchenleitung vielmehr auch darum gebeten, die vorgeschlagene Umgestaltung der Leitungsstruktur «zu prüfen, weiter auszuarbeiten und der Landessynode zur Beschlussfassung vorzulegen». Die Synode nahm den Antrag mit großer Mehrheit an.
Eine Projektgruppe hatte die Eckpunkte der neuen Leitungsstruktur erarbeitet und dafür mehrere Modelle geprüft. Als beste Variante habe sich die mit drei gleichberechtigten Bischöfinnen und Bischöfen herauskristallisiert, sagte der Leiter der Projektgruppe, Dirk Ahrens.
In der bisherigen Struktur mit drei Bischöfinnen und Bischöfen in den Sprengeln und einer Landesbischöfin sei es zwangsläufig zu Schwierigkeiten der Abgrenzung gekommen. Aufgabenverteilung und Zuständigkeiten seien unscharf geregelt und hätten sich in der Praxis als konfliktanfällig erwiesen.
Die Neukonzeption mit drei gleichberechtigten Bischöfinnen und Bischöfen solle das ändern. In der Frage der praktischen Umsetzung, zum Beispiel bei der Entkopplung von Geschäftsführung und bischöflichen Amt, gebe es aber noch großen Beratungsbedarf. Zuständigkeiten und Entscheidungswege müssten klar festgelegt werden.
Die vorgeschlagene Lösung mache durch den Wegfall einer bischöflichen Stelle auch den Verzicht auf eine Kanzlei möglich, heißt es im Antrag. Eine belastbare Quantifizierung der finanziellen Auswirkungen sei derzeit jedoch bislang nicht möglich.
Derzeit sind die Bischöfinnen Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck), Nora Steen (Sprengel Schleswig und Holstein) und Bischof Tilman Jeremias (Sprengel Mecklenburg und Pommern) im Amt. Gemeinsam mit Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bilden sie bisher den Bischofsrat, in dem die bischöflichen Aufgaben besprochen und koordiniert werden.
Kühnbaum-Schmidt hatte vor zehn Tagen angekündigt, dass sie zum Oktober 2027 in den vorzeitigen Ruhestand geht. «Die Landesbischöfin hat den ausdrücklichen Wunsch, ihren Beitrag zu leisten, die Freiheit der Landessynode bei der künftigen Ausgestaltung der bischöflichen Ämter sicherzustellen», hatte die Nordkirche dazu erklärt.
Zu Beginn der Synodentagung erklärte Kühnbaum-Schmidt, dass sie sich fortan ihren internationalen Aufgaben in der Ökumene widmen wolle. Sie ist Vizepräsidentin des Lutherischen Weltbundes für die Region West- und Mitteleuropa und Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes.
Die Diskussion um eine neue Leitungsstruktur der Nordkirche findet vor dem Hintergrund stark sinkender Mitgliederzahlen und dadurch sinkender Einnahmen statt. Bei ihrer Gründung 2012 zählte die Nordkirche insgesamt 2,25 Millionen Mitglieder, davon im Sprengel Schleswig und Holstein knapp 1,08 Millionen, im Sprengel Hamburg und Lübeck knapp 890.000 und im Sprengel Mecklenburg und Pommern gut 280.000.
Ende 2025 hatte die Nordkirche nur noch 1,58 Millionen Mitglieder – davon im Schleswig-Holstein gut 780.000, im Sprengel Hamburg und Lübeck gut 600.000 und im Sprengel Mecklenburg und Pommern 194.000.