31. August 2025 – dpa

Lehrlinge weiterhin gesucht

Mehr Azubis im Handwerk – Praktikumsprämie zeigt Wirkung

Ein Teil der Azubis hat die ersten Wochen hinter sich, für die Mehrzahl beginnt das Lehrjahr am Montag. Für das Handwerk entscheiden sich wieder mehr junge Leute, doch sind viele Stellen noch frei.

Das Handwerk erfreut sich bei Berufseinsteigern in Mecklenburg-Vorpommern wachsender Beleibtheit. Nach Angaben der beiden Handwerkskammern haben zum offiziellen Ausbildungsstart am 1. September landesweit 1.790 junge Leute einen Lehrvertrag abgeschlossen. Dies bedeute im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um acht Prozent, oder 133 besetzte Stellen mehr.

Allerdings seien rund 620 angebotene Ausbildungsplätze im Handwerk des Landes noch unbesetzt. Auch das sind mehr als zum Start des Lehrjahres 2024. Das zeige zum einen, dass der Fachkräftenachwuchs bei sinkenden Schulabgängerzahlen immer schwieriger zu sichern sei. Zum anderen werde die ungebrochene Ausbildungsbereitschaft der Betriebe trotz wirtschaftlich angespannter Zeiten deutlich, hieß es.

Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern, das in knapp 20.000 Betrieben etwa 112.000 Menschen beschäftigt, sorgt nach Kammerangaben für ein Viertel der Ausbildungsplätze im Land. Am Dienstag wollen die drei Industrie- und Handelskammern über den Start in das Ausbildungsjahr informieren. In der gewerblichen Wirtschaft, Gastronomie und Handel des Landes beginnen alljährlich mehr als 4.000 junge Leute eine duale Ausbildung. Doch bleiben auch dort viele Lehrstellen unbesetzt.

Besonders hoch in der Gunst von Schulabgängern stehen den Angaben der Handwerkskammern zufolge weiterhin Berufe wie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die rund 1.000 Betriebe dieser Branche im Land verzeichnen in der Regel eine gute Auftragslage. Als ein wesentlicher Grund gilt die Heizungsumstellung vieler Haushalte auf Wärmepumpen, oft in Verbindung mit der Installation von Solaranlagen. Gefragt seien zudem Berufe im Elektro- und Kfz-Handwerk, sowie zunehmend auch im maritimen Bereich, im Tischlerhandwerk oder im Gesundheitshandwerk.

Nach Einschätzung von Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, hat die im Sommer 2024 eingeführte Praktikumsprämie für Schüler eine Reihe von Jugendlichen zusätzlich motiviert, nach der Schule eine handwerkliche Ausbildung zu beginnen. Fast jeder fünfte der mehr als 300 Ferienpraktikanten im vorigen Schuljahr habe einen Ausbildungsvertrag im Handwerk abgeschlossen.

Das Land gewährt Schülern, die mindestens 15 Jahre alt sind, ihren Wohnsitz in MV haben und in den Ferien in einem Handwerksbetrieb mitarbeiten, eine Praktikumsprämie in Höhe von 120 Euro pro Woche. Die Förderung wird maximal drei Wochen gezahlt. Das Land will auch für die Folgejahre bis zu 150.000 Euro jährlich dafür zur Verfügung stellen.

«Dass die Praktikumsprämie, zu der wir Handwerkskammern die Landesregierung motivieren konnten, um weitere zwei Jahre verlängert wird, begrüßen wir sehr», sagte Hochschild. Indem sich Jugendliche während eines Praktikums handwerklich ausprobieren könnten, würden sie entscheidend bei der Berufswahl unterstützt. Sie wüssten, was sie erwarte, und so könne auch späteren Ausbildungsabbrüchen entgegengewirkt werden.

Auch der Präsident der Handwerkskammer Schwerin, Uwe Lange, sieht in der praxisorientierten Berufsorientierung einen entscheidenden Faktor für einen erfolgreichen Start in ein erfülltes Arbeitsleben. Das Bildungsministerium habe mit der Einführung eines Praxislerntags zum neuen Schuljahr eine wichtige Weiche dafür gestellt. «Endlich bekommt die Berufsorientierung wieder einen festen Platz in den schulischen Lehrplänen. Das haben wir lange gefordert», sagte Lange, Präsident der Handwerkskammer Schwerin.

Beide Kammerpräsidenten ermahnten Bund und Land, die berufliche Bildung weiter zu stärken. Dazu gehörten Investitionen in die überbetrieblichen Bildungsstätten und die Sanierung beruflicher Schulen. Die Landesregierung hatte bereits zugesichert, dafür Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes bereitzustellen. Lange forderte zudem staatliche Hilfen für Auszubildende bei der Finanzierung ihrer Mieten. Weil Berufsschulen oft weit entfernt von Wohnort liegen, können Azubis vielfach nicht mehr von zu Hause aus pendeln.

Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zufolge, bleiben im Handwerk Ausbildungsplätze immer häufiger unbesetzt. Seit 2010 ist die Quote offener Lehrstellen von 15 auf rund 35 Prozent gestiegen. Als häufigsten Grund für die Entwicklung nannten Betriebe demnach den Mangel an geeigneten Bewerbungen.

Vor allem in Ostdeutschland hat der Geburtenknick nach dem Ende der DDR für einen drastischen Rückgang der Berufseinsteigerzahlen gesorgt. Während im Jahr 2005 im Handwerk rund 3.600 Schulabgänger eine Lehre aufnahmen und kaum Stellen frei blieben, sank die Zahl der Neueinsteiger auf 1.800 im Jahr 2015. Seither schwanken die Einstellungen zum ersten Lehrjahr in diesem Bereich. In den Jahren nach der Wiedervereinigung hatten die Firmen bei weitem nicht alle Schulabgänger mit dem Wunsch nach einer dualen Ausbildung aufnehmen können, so dass diese in überbetrieblichen Einrichtungen Berufe erlernten.

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